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15.12.2013

Die Zeit der bösen Onkels

„…und es nahmen sich wieder nur diejenigen die Freiheit, die die Macht dazu hatten.“ 
– Guter taz-Artikel: Die Zeit der bösen Onkels."

"Die Grenze zwischen Verklärung und Kriminalisierung wurde jedenfalls entschieden verschoben. Der böse Onkel konnte nur noch der verklemmte, latent faschistische Gewalttäter sein; auf „unserer“, der richtigen Seite dagegen konnten nur glückliche und befreite Wesen stehen. Widerspruch, ja sogar bloße Skepsis konnte als Ausweis verklemmter Rückständigkeit gewertet werden."

"Während nämlich die mediale Empörung auf Lynchmob geschaltet wird, dreht der Staat ohne nennenswerte gesellschaftliche Gegenwehr, den wissenschaftlichen und medizinischen Formen von Prävention und Aufklärung den Geldhahn zu, und Männer mit pädophilen Neigungen, die sich selbst als Gefahr erkannt haben, müssen als Patienten abgewiesen werden."


>>> www.taz.de - Sexuelle Revolution in den Medien <<<

04.08.2013

Normal - Menschen, die es gar nicht gibt...

Erhöhtes Aggressionspotential weckt häufig die lapidare Frage "Was oder wer ist schon normal?", immer dann wenn man einer bestimmten Art von Menschen zum ersten Mal erklärt dass man ein bisschen gaga ist. Pseudopädagogisches Gequatsche von Menschen, die das so eben Vermittelte entweder nicht verstanden oder aus Ahnungslosigkeit ignoriert haben. Nicht böse, ja eher sogar verständnisvoll gemeint, relativiert dieser Ausspruch den begonnenen Versuch seinem Gegenüber endlich einmal die Gründe darzulegen wieso man sich schon wieder einmal grenzwertig schrullig bis völlig daneben benimmt.

Der Begriff "normal" legt doch lediglich ein paar grundlegende Parameter fest, in der sich eine durchschnittliche Menge der Allgemeinbevölkerung zusammen findet. Irgendwie lehnen es die Meisten in dieser durchschnittlichen Menge von Bundesbürgern völlig ab "normal" zu sein. Als ob sie ihrer individuellen Identität beraubt und in eine furchtbar massenhafte graue Norm gepresst werden. Aua.

Leider erfolgt von uns, den gemeinen Durchschnittsirren, dann schnell der Rückzieher und es bleibt beim abgebrochenem Versuch. Und so wird dann in absehbarer Zeit passieren was immer passiert: Entweder man geht diesem Menschen, wenn der Irrsinn so richtig blüht, aus dem Weg oder er erklärt einen nach einer gewissen Zeit Unverständnisschnaufend für verrückt weil sich diese Kontaktpause nicht einrichten lässt. Aber was ist schon normal, ne?

Liebe Relativierer, manchmal wäre ich's schon gern.
Dinge tun, die auch andere ohne Dramen und Extrawurst einfach machen, pah. Alltag dauerhaft ohne...
...Therapie, Institutsambulanz, Seroquel, Citalopram, Promethazin und Tavor. Das ist "normal". ;)

...to be continued, ganz bestimmt^^

09.06.2010

Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich. Die anderen können mich...

08.06.2010

Beppo Straßenkehrer

Aus "Momo" von Michael Ende

Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quiet-schenden Fahrrad in die Stadt zu einem großen Gebäude. Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig:
Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.
Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter:
Schritt - Atemzug - Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.
"Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:
"Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:
"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten."
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:
"Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:
"Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste."
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend:
"Das ist wichtig."

06.06.2010

Die Geschichte mit dem Hammer...

Aus "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

04.06.2010

Warum überquerte das Huhn die Strasse?

KINDERGÄRTNERIN: Um auf die andere Strassenseite zu kommen.

PLATO: Für ein bedeutenderes Gut.


ARISTOTELES: Es ist die Natur von Hühnern, Strassen zu überqueren.


KARL MARX: Es war historisch unvermeidlich.


TIMOTHY LEARY: Weil das der einzige Ausflug war, den das Establishment dem Huhn zugestehen wollte.


RONALD REAGAN: Hab ich vergessen.


CAPTAIN JAMES T. KIRK: Um dahin zu gehen, wo noch kein Huhn zuvor gewesen ist.


ANDERSEN CONSULTING: Deregulierung auf der Strassenseite des Huhns bedrohte seine dominante Marktposition. Das Huhn sah sich signifikanten Herausforderungen gegenueber, die Kompetenzen zu entwickeln, die erforderlich sind, um in den neuen Wettbewerbsmärkten bestehen zu koennen. In einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Klienten hat Andersen Consulting dem Huhn geholfen, eine physische Distributionsstrategie und Umsetzungsprozesse zu überdenken. Unter Verwendung des Geflügel-Integrationsmodells (GIM) hat Andersen dem Huhn geholfen, seine Fähigkeiten, Methodologien, Wissen, Kapital und Erfahrung einzusetzen, um die Mitarbeiter, Prozesse und Technologien des Huhns fuer die Unterstützung seiner Gesamtstrategie innerhalb des Programm- Managementrahmens auszurichten. Andersen Consulting zog ein diverses Cross-Spektrum von Strassen- Analysten und besten Hühnern sowie Andersen Beratern mit breitgefächerten Erfahrungen in der Transportindustrie heran, die in 2tägigen Besprechungen ihr persönliches Wissenskapital, sowohl stillschweigend als auch deutlich, auf ein gemeinsames Niveau brachten und die Synergien herstellten, um das unbedingte Ziel zu erreichen, nämlich die Erarbeitung und Umsetzung eines unternehmensweiten Werterahmens innerhalb des mittleren Geflügelprozesses. Die Besprechungen fanden in einer parkähnlichen Umgebung statt, um eine wirkungsvolle Testatmosphäre zu erhalten, die auf Strategien basiert, auf die Industrie fokussiert ist und auf eine konsistente, klare und einzigartige Marktaussage hinausläuft. Andersen Consulting hat dem Huhn geholfen, sich zu verändern, um erfolgreicher zu werden.


MARTIN LUTHER KING, JR.:Ich sehe eine Welt, in der alle Hühner frei sein werden, Strassen zu überqueren, ohne dass ihre Motive in Frage gestellt werden.


MOSES: Und Gott kam vom Himmel herunter, und Er sprach zu dem Huhn: Du sollst die Strasse überqueren. Und das Huhn überquerte die Strasse, und es gab grosses Frohlocken.


FOX MULDER: Sie haben das Huhn mit Ihren eigenen Augen die Strasse überqueren sehen. Wieviele Hühner muessen noch die Strasse überqueren, bevor Sie es glauben?


RICHARD M. NIXON: Das Huhn hat die Strasse nicht überquert. Ich wiederhole, das Huhn hat die Strasse NICHT überquert.


COLONEL SANDERS: Ich hab eines übersehen?


ERNEST HEMINGWAY: Um zu sterben. Im Regen.


MARCEL REICH RANICKI: Ich glaube das Wesentliche an diesem Punkt - und da sind wir uns ja einig, nicht wahr meine Herrschaften, warum und wieso erklärt uns der Schriftsteller, und überhaupt, warum will das Huhn, ja, und ich sage jetzt bewusst und absichtlich - warum, will das Huhn die Straße überqueren? Meiner Auffassung nach, ein kompletter Schwachsinn, was uns der Schreiber hier erzählen will ... was meinen sie, Herr Karasek ... äh ...


SIGMUND FREUD: Die Tatsache, daß Sie sich überhaupt mit der Frage beschaeftigen, daß das Huhn die Strasse überquerte, offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit.


BILL GATES: Ich habe gerade das neue Huhn Office 2000 herausgebracht, das nicht nur die Strasse überqueren, sondern auch Eier legen, wichtige Dokumente verwalten und Ihren Kontostand ausgleichen wird.


ALBERT EINSTEIN: Ob das Huhn die Strasse überquert hat oder die Strasse sich unter dem Huhn bewegte, hängt von Ihrem Referenzrahmen ab.


RALPH WALDO EMERSON: Das Huhn überquerte die Strasse nicht ...es transzendierte sie.


OLIVER STONE: Die Frage ist nicht "Warum überquerte das Huhn die Strasse", sondern "Wer überquerte die Strasse zur gleichen Zeit, den wir in unserer Hast uebersehen haben, während wir das Huhn beobachteten".

14.03.2010

Es fragen mich die Menschen (Herzblut I-XVII)

II.

Es fragen mich die Menschen,
Was mich so elend gemacht
Ich sag' euch, ich habe mein Elend
Mit auf die Welt gebracht.

Es liegt in meinem Fühlen
In dem halbentfesselten Geist,
Der aufwärts will und den Alles
Zur Erde doch wieder reißt.

Ada Christen - Aus: »Lieder einer Verlorenen« (1868)