Posts mit dem Label Totenlieder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Totenlieder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

27.02.2009

Der Scharlachrote Tod

Keuchend, sich mit Trägheit schleppend
Nähert sich der rote Tod
Grinsend, seine Fäulnis leckend
Lechzt er nach der Opfer Blut
Niemand kann ihn kommen sehen
Juden, Christen, alle gleich.
Keiner wird ihm je entkommen
Alle holt er in sein Reich !

Schreiend und sich würgend winden
Opfer ihren Tod nun finden
Der Rote sitzt auf der Totenschar
Die Pocken morden wunderbar !

Ohne Gnade, schreiend lachend
Er sich seine Opfer greift
Niemand kann ihm je entkommen
Seine Forke totrot heißt !
Denn nach dem Tode kommt kein Jenseits
Der Rote hält die Seelen fest
Seine Brüder nicht weniger blutig
Ihre Namen Fäulnis und Pest !

Nordmännerlied

Der Abend kommt und die Herbstluft weht,
Reifkälte spinnt um die Tannen,
Oh Kreuz und Buch und Mönchsgebet
Wir müssen Alle von dannen.

Die Heimath wird dämmernt und dunkel und alt,
Trüb rinnen die heiligen Quellen:
Du götterumschwebter, du grüner Wald,
Schon blitzt die Axt, dich zu fällen!

Und wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer,
Erloschen sind unsere Sterne
Oh Island, du eisiger Fels im Meer,
Steig auf aus mächtiger Ferne.

Steig auf und empfah unser rieseig Geschlecht
Auf geschnäbelten Schiffen kommen
Die alten Götter, das alte Recht,
Die alten Nordmänner geschwommen.

Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt,
Sturmwogen die Ufer umschäumen,
Auf dir, du trotziges Ende der Welt,
Die Winternacht woll'n wir verträumen

Joseph Viktor von Scheffel (1826 - 1886)