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28.02.2015

Coitus mortificare

Eingefroren ist die Welt, die nur noch parallel existiert. Hier im Dunkel, reduziert auf reine Existenz von Ohnmacht und Grauen, gibt es kein Entkommen. Ausgeliefert, machtlos, ohne Rechte, kein Zurück. Die Angst klammert sich an alle Glieder, lacht mir ins Gesicht. Wie er, der den Moment beherrscht. Große Hände um den Hals, auf dem Mund, überall. Bereiten Schmerzen mit jedem Griff. Zeugen einer unberechenbaren Macht. Die Panik peitscht die Verzweiflung durch bodenlose Dunkelheit. Wo ist der Nebel, der sich gnädig über mich legt? Ich falle ohne Aufprall, das Herz, es pocht, klopft bis in den Hals, das Rauschen im Kopf ist ein reißender Fluß. Beten im Stillen, betteln und flehen an einen Gott, der unerreichbar ist. Wenn du mich gehen lässt, gehör ich dir. Doch gehöre ich ihnen, was ist ein Gott schon gegen sie? Nichts. Er hört mich nicht, bin die Hilfe nicht wert. Verzweiflung und Resignation, der Moment in dem die Hoffnung jäh erlischt. Den Abgrund im Blick, steh ich mit dem Rücken zur Wand. Schmerz macht taub, irgendwann, doch noch nicht jetzt. Bohrende Hitze, die nicht nur den Körper grob auseinander reißt. 


 Die Endgültigkeit ist ein grausames Spiel, unausweichlich, weder Flucht noch Kampf. Kein Handeln, nur Warten, erdulden. Apathie, hüll mich ein. Ein Wimmern, ganz leise, höre ich ein leidendes Tier. Kanns nicht sehen, tut ihm nicht weh! Lausch in die Schwärze hinein. Stille, nur wabernde Dunkelheit, aus Schmerz und Angst, verlier den Verstand. Doch das Tier bin ja ich, der quälende Ton der Kehle entwichen, darf nicht schreien. Das Atmen so schwer, Ekel und Angst. War es das endlich, sterbe ich jetzt? Leider nicht. Er ist gierig, sieht rücksichtslos nur seinen Trieb. Seine Macht, macht mich klein, nimmt sich Stück für Stück, die Seele weicht zurück. Nackte Angst, blankes Entsetzen, das Leben komprimiert auf den Atemzug, der vielleicht ja doch der letzte ist. Was lass ich denn auch schon zurück? Der Schmerz raubt die Luft, das letzte bisschen das ich atmen muss. Die Sinne implodieren, ich bin ein rohes Stück Fleisch, das Herz zerspringt, Wärme hüllt mich ein, endlich, der Nebel ist zurück. 

[2014]

02.07.2014

Willkommen in Nischni Nowgorod

 Trigger, Flashbacks und ähnliches Übel Part III


"Alice: Glaubst Du, ich habe den Verstand verloren? 

Vater: Ich fürchte, ja. Du bist übergeschnappt, hast eine Meise, bist nicht ganz bei Sinnen. Aber weißt Du was? Das macht die Besten aus!"

- Alice im Wunderland -


Es gibt eine Stadt in meinem Wunderland und die heißt "Nischni Nowgorod". Ein Vorort, in dem man gut verweilen kann. Man kann sie am besten betreten wenn man nicht ganz genau weiß warum. Sie ist ein etwas verschlafenes Nest, auf das sich meistens dichter Nebel senkt. Für Sprachtouristen kein fruchtbarer Ort, die Sprache dort kann nie jemand verstehen. Kyrillisches Alphabet auf Schildern, die Menschen reden, sowas hat noch keiner gehört, vielleicht weil dort fast niemand hören kann wenn er die Stadt besucht. Die Straßen aus Watte dämpfen außerdem jeden Schritt, manchmal wird man sogar auf Wolken gehen. Von Fluchtversuchen rate ich ab, der Versuch die Stadt schon nach Betreten wieder verlassen zu wollen wird so gut wie immer mit einem starken Sog hinein und weiter in ein adhäsives Labyrinth bestraft. Nach dem Weg zu fragen ist völlig aussichtslos, selbst wenn Sie jemand versteht, werden Sie lediglich Unverständliches oder in die Irre führend Falsches zur Antwort erhalten. 


In Nischni Nowgorod können Uhren nicht nur rückwärts sondern auch seitwärts gehen und stehen. Für Unerfahrene auch auf dem Kopf, irgendwie ist alles hier immer im Fluss. Es rieselt und rauscht und manchmal bewegt sich der Boden während Sie in der Watte über ein Laufband schweben. Besonders hervorzuheben ist die Aussicht auf die Außenwelt, sie findet nur zu undefinierten und nicht genauer ausgeschriebenen Zeiten sporadisch mal statt. Mit etwas Glück kann man erahnen auf welcher geographischen Breite sich der Körper in Relation zu Tageszeit und pH-Wert konzentriert. Anfangen können Sie mit dieser wertvollen Information aber dann nichts.   


In Nischni Nowgorod kommen Sie nur als Verrückter herein, oder als das was die Welt außerhalb darunter versteht. Am Eingang wird nach 3G kontrolliert: Gefickt, Geschlagen, Gebrochen. Visa Voraussetzung Einzeltrauma, zum dauerhaften Einlass mindestens eine PTBS. Visum- und Einreiseprozess sind jedoch bereits vor Bekanntwerden der Voraussetzung automatisch in Gang. Eine spontane Anreise ist meistens der Fall, kann jedoch unter bestimmten Umständen auch manuell eingeleitet werden. Was Sie wissen sollten ist dass Nischni Nowgorod Sie treu und ergeben beschützt. Meine Damen und Herren, es wird Sie erstaunen, diese Enklave ist ein unbezahlbar wertvoller Ort, der unermüdlich dafür sorgen wird dass Sie Ihren Verstand nicht verlieren, denn was glauben Sie bloß Sie würden ungefiltert mit ihren Dämonen konfrontiert. Nischni Nowgorod wird Sie wieder gehen lassen wenn Sie soweit sind. Und glauben Sie bitte daran: Nicht dieser Ort trägt die Schuld daran dass nur gestapelte Scheiße draußen auf Sie warten wird, denn die war auch vorher bereits dort...    


[2011/2021]

15.12.2013

Die Zeit der bösen Onkels

„…und es nahmen sich wieder nur diejenigen die Freiheit, die die Macht dazu hatten.“ 
– Guter taz-Artikel: Die Zeit der bösen Onkels."

"Die Grenze zwischen Verklärung und Kriminalisierung wurde jedenfalls entschieden verschoben. Der böse Onkel konnte nur noch der verklemmte, latent faschistische Gewalttäter sein; auf „unserer“, der richtigen Seite dagegen konnten nur glückliche und befreite Wesen stehen. Widerspruch, ja sogar bloße Skepsis konnte als Ausweis verklemmter Rückständigkeit gewertet werden."

"Während nämlich die mediale Empörung auf Lynchmob geschaltet wird, dreht der Staat ohne nennenswerte gesellschaftliche Gegenwehr, den wissenschaftlichen und medizinischen Formen von Prävention und Aufklärung den Geldhahn zu, und Männer mit pädophilen Neigungen, die sich selbst als Gefahr erkannt haben, müssen als Patienten abgewiesen werden."


>>> www.taz.de - Sexuelle Revolution in den Medien <<<

29.08.2013

Doppelagent im Namen des Irrsinns - 9 Stimmen und die Melodie von Tetris für Anfänger

"9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt.... die andere summt die Melodie von Tetris..."

...zugegebenermaßen zum Schmunzeln, auch oder wenn der Alltag tatsächlich so ist. Doch immer wieder der schale Beigeschmack, weil 90% derer, die es kichernd und sich ganz crazy fühlend posten, diejenigen im "echten Leben" nicht akzeptieren, verstehen, vor-/fehlverurteilen bei denen es nun wirklich so ist. Jeden Tag plus die Nacht, in jeder Woche im Jahr und das ganze Leben.
Tauschen für nen Tag, geht ja leider nicht. Ich wette die ganzen coolen "verrückten" Menschen würden sich allesamt in ihre Hosen pissen und flennend nach ihrer Mami greinen. Dabei feststellend dass "die da oben" noch ganz anderes erzählen und die Idee der Tetrismelodie beinahe schon einfältig ist. Eure Fantasie würde sich schämend in die nächste Ecke verziehen^^

Ich bin so frei und nehm euch mit, Augen zu, schnallt euch an und macht die Kippen aus. 
Wir drehen den Ton an, gedämpftes Gemurmel, überlagert von einer Unterhaltung, die ganz aus der Nähe, aus Wortfetzen, lebhaft und spannend erscheint. Von weiter weg eine glockenhelle Kinderstimme, die mit stoischer Ausdauer einen ätzenden Werbesong trällert. Von links her schleicht nun ein diffuses beunruhigendes kleines Angstgefühl, untermauert durch zischendes Drohen ohne zu erfassenden Sinn, heran. Die wortfetzige Unterhaltung erwächst zu einem lauten Streit. Von rechts aus wattigem Nebel, kriecht dräuendes Unbehagen, vom Typ Unheil, kratzend über knarrende Holzdielen immer weiter in euren Verstand. Aus der Ferne, kaum zu orten, Schreien, Wimmern, Weinen, deutlich, verschwommen, wie im Nichts verschollen und doch wieder ganz nah. Abbilder von Grauen, von Ekel, dem Leid, das hartnäckigst nach euch greift. 
Jetzt bitte behutsam beginnen den Körper miteinzubeziehen, Ekel und Grauen sachte in die Glieder fahren lassen, währenddessen die Geräuschkulisse aufrecht erhalten. 

Von hinten, schnodderiges Teenagerorgan "Verpiss dich" rufend euch Richtung Nebel tretend, eine Tür fällt polternd zu. Der Werbesong, dritte Wiederholung erreicht, macht ja doch ein kleines bisschen aggressiv. Hinter dem wortfetzigen Streit, heftet sich euch nun ein Gemisch aus "Du bist hässlich, du bist fett, kannst nichts, los bring dich um" ins Genick, der kleine Neffe von "Wenn du was verrätst, bring ich dich um." (ist gerade Bier holen und eine Nummer zu groß für eure Welt). 
Mittendrin, eher halblinks des wortfetzigen mittlerweile eskalierten Streits, lachen sich drei Halbwüchsige über ein Bild auf Facebook halb tot, irgendwas von 9 Stimmen und der Melodie von Tetris steht drauf. Gezerre an eurer Aufmerksamkeit lenken davon ab, ein dünnes Stimmchen, einen Stich ins Nörgelnde, verlangt nach Schokolade, Kaugummi und Chips, unterbrochen durch enervierendes Geplärre ("Ich war zuerst dran/hab Hunger/muss Pippi/...), beginnt der Wunsch das Weite zu suchen in euch zu keimen. Bevor die Saat aufgeht, ihr beginnt aus dem Fenster zu hechten und das Pflaster einzusauen, dimmen wir langsam das Licht, der wortfetzige Streit blendet in das gedämpfte Gemurmel hinein, die Beschimpfungen ziehen sacht mit raus, den Werbesong, den lass ich euch. Augen auf, Umgebung fährt rein, ihr steht ganz harmlos an der Kasse in einem bundesdeutschen Supermarkt. Ein ganz normaler Dramenloser Tag. Und ihr habt dabei noch nicht mal bis in die geöffnete Wohnungstür geguckt, der Hausflur allein geht über eure Vorstellungskraft :D

Und beim nächsten Mal reden wir über die Stimmen der Schizophrenie ;)




04.08.2013

Normal - Menschen, die es gar nicht gibt...

Erhöhtes Aggressionspotential weckt häufig die lapidare Frage "Was oder wer ist schon normal?", immer dann wenn man einer bestimmten Art von Menschen zum ersten Mal erklärt dass man ein bisschen gaga ist. Pseudopädagogisches Gequatsche von Menschen, die das so eben Vermittelte entweder nicht verstanden oder aus Ahnungslosigkeit ignoriert haben. Nicht böse, ja eher sogar verständnisvoll gemeint, relativiert dieser Ausspruch den begonnenen Versuch seinem Gegenüber endlich einmal die Gründe darzulegen wieso man sich schon wieder einmal grenzwertig schrullig bis völlig daneben benimmt.

Der Begriff "normal" legt doch lediglich ein paar grundlegende Parameter fest, in der sich eine durchschnittliche Menge der Allgemeinbevölkerung zusammen findet. Irgendwie lehnen es die Meisten in dieser durchschnittlichen Menge von Bundesbürgern völlig ab "normal" zu sein. Als ob sie ihrer individuellen Identität beraubt und in eine furchtbar massenhafte graue Norm gepresst werden. Aua.

Leider erfolgt von uns, den gemeinen Durchschnittsirren, dann schnell der Rückzieher und es bleibt beim abgebrochenem Versuch. Und so wird dann in absehbarer Zeit passieren was immer passiert: Entweder man geht diesem Menschen, wenn der Irrsinn so richtig blüht, aus dem Weg oder er erklärt einen nach einer gewissen Zeit Unverständnisschnaufend für verrückt weil sich diese Kontaktpause nicht einrichten lässt. Aber was ist schon normal, ne?

Liebe Relativierer, manchmal wäre ich's schon gern.
Dinge tun, die auch andere ohne Dramen und Extrawurst einfach machen, pah. Alltag dauerhaft ohne...
...Therapie, Institutsambulanz, Seroquel, Citalopram, Promethazin und Tavor. Das ist "normal". ;)

...to be continued, ganz bestimmt^^

25.07.2013

Sehenswert (Achtung Trigger)







Hier mal eine, aus meiner Sicht, gute Reportage zum Thema. Jenseits von Stammtisch-Halbweisheiten und Bildzeitungshetze. Sollten sich einige Leute mal angucken, vor allem diejenigen, die immer gleich sofort schreien "Hängt den Scheiß-Pädo" wenn ein Fall durch die Medien geht. Ohne Durchblick zu haben dass die Mehrzahl von Taten, gerade in den Familien, keine von Pädos verübten sind. Aber genauer hingucken fällt den Leuten in HartzTV-Zeiten von RTL, Sat1 und Co. ja leider zu schwer. Diejenigen, die jetzt wieder schreien, dass es scheißegal ist welcher Tätertyp da am Werk ist, können meinetwegen auch ganz die Fresse halten. Im Sinne des vorbeugenden Opferschutzes ist dieses gebrüllte Gutmenschentum auch nicht. Dass oft gerade Überlebende dieser Taten mit diesem Hetzegeschrei nicht einfach umgehen können weil sie nicht nur den perversen Täter, sondern auch oder vor allem die Vertrauensperson, das Familienmitglied im Abhängigkeitsverhältnis sehen, ist sicher schwer zu vermitteln. Es wird laut gerufen "Wer denkt an die armen Opfer?" ohne eben diesen zuzuhören, sich zu informieren und verstehen zu können.

Auch das Thema Therapiemöglichkeiten in Deutschland kommt nicht zu kurz. Noch so ein Ding dass der unwissende deutsche Durchschnittsmensch oder auch der deutsche Durchschnittsmensch mit einer unkomplizierten Einzelphobie, völlig verkennt. Ja, wir leben in einer privilegierten Gesellschaft mit vergleichbar gutem Gesundheitssystem. Umso schlimmer dass in genau diesem System Traumatisierte oft durchs Raster fallen. Vom Opferentschädigungsgesetz bzw. dessen Antragskrieg mag ich gar nicht erst anfangen, geht ja kaum ohne zu kotzen. -.-

30.06.2012

Christine Striebel - Schritt für Schritt ins Leben

Schritt für Schritt ins Leben: Ein kompaktes Selbsthilfebuch für Menschen mit
Dissoziativer Identitätsstörung und Zwischenformen


  • ISBN-10: 3867038597
  • ISBN-13: 978-3867038591
Schritt für Schritt ins Leben. Ein kompaktes Selbsthilfebuch für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung und Zwischenformen von Christine Striebel, Ein hilfreiches Buch, das Unterstützungshilfen im Alltag gibt und die Isolation durch zahlreiche Interviews mit Betroffenen durchbricht. Dieses Buch reicht Betroffenen die Hand und erklärt einfühlsam und klar die Entstehung dieser Überlebensstrategie. Des Weiteren beinhaltet es eine Schatztruhe voller Ideen zur Entlastung und Selbsthilfe für den Alltag und den Umgang mit Behörden. Skill-Listen, Imaginationsübungen, Checklisten sowie Impulse zum Stärken und Stabilisieren geben praktische Hilfe an die Hand und machen das Buch damit zu einem wertvollen Begleiter der hilft Schritt für Schritt im eigenen Tempo seinen Heilungsweg zu gehen. Bereichert wird dieses Buch zusätzlich durch die vielen Erfahrungsberichte und Anregungen Betroffener. Auch für Menschen, die noch sehr isoliert sind mit ihrer DIS, wird dieses Buch damit zu einem ganz besonderen Geschenk und hilfreichen Begleiter, denn hier erfahren sie: es gibt auch noch andere wie mich, ich bin nicht alleine! Ein Buch, voller Liebe geschrieben, das eine wichtige Botschaft weitergibt: Gib Dir die Chance, glücklich zu leben!

18.04.2012

Ihr!

 Das Gefühl in einer Blase durch leeren Raum zu schweben, während außerhalb unserer Atmosphäre das Leben vorbei rauscht, dominiert. Draußen alles zu schnell, zu hektisch, zu grell.


"Ich bin zu klein für die große böse Welt, in der Ungeheuer und Gefahren lauern und ich nichts verstehen kann von den Dingen Erwachsener.
Hab Angst vor den großen Händen, die mich vielleicht durch diese aufregende einschüchternde Großstadt führen könnten. Was wenn sie wehtun und Gegenleistungen erwarten für das trügerische Beschützen?

Nehmt mich an die Hand, führt mich sicher über die große Straße und zeigt mir die Welt. Anschließend macht mit mir was ihr wollt weil es zum Lernen dazu gehört und richtig so ist, alle machen das, ist doch nichts dabei.
Sie ist da, die abartige leise Sehnsucht benutzt zu werden. Klein zu sein.
Wehrlos, resigniert und gleichgültig komische Sachen mitzumachen. Die Angst machen, gar keinen Spaß machen, fremd sind, wehtun. Die man nicht machen will. Und trotzdem: Will gut sein, alles richtig machen, bin sonst noch weniger wert.

Die Gier nach Anerkennung, absurder Liebe und Geborgenheit. Erkauf sie mir und bleib dabei auf der Strecke. Der Wunsch nach Vertrautem? Bestrafung? Oder die innerliche Überzeugung dass es so sein muss. Bewegen in gewohnten Parametern. Wo ist die Logik, wo ist der Verstand? Nicht mit in der schwebenden Blase, kann ihn nicht finden. Taste mich blind durch den leeren Raum."

Wir fühlen eure Hände, auch noch heute, wenn es andere sind. Wir riechen euren Atem, schmecken euren Schweiß. Danke auch, ihr habt uns unbrauchbar für diejenigen gemacht, die uns nichts Böses wollen.
Nachts spüren wir eure riesigen Pranken auf unserem Mund, eure Klauen, Quälereien und heißen Kippen überall.
Ihr könnt allgegenwärtig sein, auch ohne Gesicht, wir glauben eure Stimmen zu hören und erfassen sie nicht. Wir fühlen eure Körper, zerreißende, bohrende und betäubende Schmerzen. Sprachlosigkeit. Ein riesiges schwarzes Loch und wir schweben im Raum.

Erinnern uns an den Ekel, sehen uns vor euch stehen. Das Gefühl zu ersticken, Entsetzen und Ungläubigkeit. Das Wissen zu dämlich zu sein. Gefühlte Drohungen, nicht in Worte zu fassen, wie wehende Stimmen im Wind. Eingeschlossen im Nichts, nicht fürs Heute und nicht für diese Welt bestimmt. Eingeschlossen wie ein Fossil, als Steinkern, Sedimente und ein Hohlraum, eingeschlossen im Gestein. Immer da, aber doch nicht im Hier und Jetzt.

Und wenn wir glauben zu wissen wer und wie viele ihr seid, macht ihr euch davon, hinterlasst ein Vakuum in unserem Kopf. Von der Logik abgetrennt, gefühlte Bedrohung, auch heute noch. Flucht vor euch, vor Konsequenzen und der Ungläubigkeit.
Wissen wer ihr seid und wissen es doch nicht. Ein Erfolg. Ja - für euch.

(2010)

08.02.2012

Singularitäten, Schwarze Löcher und Ereignishorizonte

Die Wirkung, die meine Singularität auf ihre unmittelbare Umgebung hat, ist so enorm, dass sämtliche uns bekannte Naturgesetze nicht mehr gelten und ihre Existenz völlig vergessen sind. Ist sie einmal aktiviert, ist es schwer ihr zu entkommen. Der Moment an dem ich den Ereignishorizont passiere ist in den meisten Fällen zwar absehbar, doch ist die Fluchtgeschwindigkeit so hoch dass nichts mehr den Schwarzschildradius verlassen kann. Hineingezogen in das rotierende schwarze Loch meines Ichs, dessen Eigendrehimpuls so manchen Astrophysiker in Entzückung versetzen würde, gibt es scheinbar kein Entrinnen. Seine Gravitation erwirkt nicht nur Raumzeitkrümmung, nein, es reißt Raum und Zeit mit in sich hinein. 

Die Angst dass unsere dämlichen Dämonen während unserer Verweilung in dem kläglichen Rest unserer Supernova, ihren Schabernack treiben, ist immer noch präsent. Der Kampf zwischen Kontrolle und Loslassen ist nervenaufreibend und zermürbt. Kann man doch meist nur hoffen es geht schnell vorbei. Wenn die Borgqueen draußen übernimmt, ist die Peinlichkeit zwar begrenzt, die Folgen jedoch oft ein Paradebeispiel an Schadenbegrenzungsstress. Und ich sitz im Nichts und schreie ungehört gegen sie an.
Sie scheint es zu genießen ihre Begleiter zu ignorieren. Unkooperativ wie sie ist, macht sie einfach was sie will. Dumme Kuh. Die Momente in denen sie sich mit dem Verstand und der Logik verbündet, sind dagegen ein erstrebenswertes Ziel. Meine mir selbst imponierende Wunschperson, würde sie den anderen doch etwas Gehör schenken.
Die Zeit in der die anderen ihre ganz eigenen Interessen und Wünsche verfolgen war lange geprägt von abgrundtiefer Angst, ihr verdanke ich nicht nur den Verlust von 65 cm Zopf, nein auch ihre soziale Interaktionen lässt oft übelst zu wünschen übrig.

Doch eins ist sicher, leg dich nicht mit uns an, wir sind eindeutig in der Überzahl ;)


To be continued...

19.12.2011

Schuld?

 

Flashbacks, Träume und ähnliches Übel III - Erinnern Part II

Verzweifelt und angewidert sitze ich mit der Verwunderung, dem Selbsthass und der Bestürzung auf der Couch. Auf dem Tisch ausgebreitet liegt eine Kiste Erinnerungen in der die drei munter herum wühlen. Immer wenn einer von ihnen, quietschend vor Freude über einen Fund, aufgeregt auf dem Sofa rumhüpft, kriege ich das kalte Grauen.

Die letzten Tage und Nächte sind ein Ausnahmezustand und irgendwie quälend an mir vorüber gezogen. Das Herumstochern in dunklen Winkeln meiner verschlossenen Hirnschubladen erweist sich als nervige Tortur. In der Theorie war mir bekannt dass die bewusste Erinnerung an einzelne Erlebnisse inkomplett, gefühlsmäßig gar nicht vorhanden und voller Barrieren ist. Viele Versuche der Durchleuchtung sind über mehr als ein Jahrzehnt immer wieder kläglich gescheitert und durch neue reaktiv gestaltete Dummheiten erweitert worden.
Langsam fangen modrige Fundamente an zu bröckeln und legen immer neue Bruchstücke unzugänglicher Empfindungen und Erinnerungen frei. Das Erinnern ist als würde man eine Zwiebel schälen, Schicht für Schicht arbeitet man sich weiter ins Innere vor und die Augen brennen fürchterlich dabei.

Nach langem Leugnen, unbewusster Ignoranz und auch Ungläubigkeit hat der Verstand jetzt endlich erfasst dass er der Vergangenheit nicht entrinnen kann. Immer wieder Löcher zu stopfen, die sich an anderer Stelle doch wieder neu bilden, ist doch nur Flickwerk das nicht lebenswert ist. Ungläubig sitze ich dabei wie meine drei Kistenkramer Zugänge öffnen, die mir unbekannt waren.
Die Fassungslosigkeit begleitet mich ebenso wie der Selbsthass, der sich von der Couch auf meinen Schoß geschwungen hat. Selig kuschelt er sich an mich während auf der anderen Seite die Scham unaufhörlich in meine Rippen boxt. Die Erkenntnis sitzt auf dem Tisch und grinst, das Wort Gnade ist ihr unbekannt.
Wohin ist die Gleichgültigkeit, die eingehakt bei der Leere die Türen zur Empathie bewachte? Wer hat die Grenzen verwischt zwischen den Teilen meiner Selbst, die keinen Zugang zueinander hatten? Und wo war diese gottverdammte Moral als sie Vieles hätte verhindern sollen? Warum kommt sie jetzt und nimmt mir die Luft die ich atmen muss.

Immer wieder versetzt mir die Selbsterkenntnis einen Keulenschlag. Ich fürchte auseinander zu springen, die Last ich selbst zu sein drückt stetig und ausdauernd auf mir. Ich bin verachtenswert. Die Reue tanzt mit der splitternackten Scham auf meinen Nerven herum. Der Selbstrespekt wurde von ihnen in irgendein dunkles Verlies gesperrt. Ich bin selbst dieses wertlose Leben nicht wert. Wie konnte ich mir selbst und anderen solche Dinge antun. Und antun lassen. Ich suche und suche und finde keine Antwort darauf. Wie dumm war ich nur? Ich will diese tollen Erkenntnisse nicht. Wem nützen sie jetzt noch?
Aber hey, ich war ein Kind...

(1990/2009)

16.12.2011

Nihilismus

Ohne Ende, ohne Anfang mäandert der krude Gedankenstrom mal wieder durch den berstenden Kopf. Schnappt sich hier und da ein paar verstaubte Dinge um sie dann in die nächste Ecke zu schmeißen, so bald etwas vermeintlich Interessantes auf dem Förderband des kognitiven Abfalls auftaucht. Eben der altbekannte Trott.

Doch manches Kleinod der von mir erzeugten Bestleistungen, scheint sich im Kreis immer wieder zurück zum Verfasser zu bewegen. Taucht immer wieder auf, selbstinduziert, von außen aufgezwungen oder einfach immer in einer Hirnstube seine Späße treibend. Wie die Wasserleiche, die irgendwann, ihrer Gasfäulnis erlegen, an der Oberfläche erscheint und ihren entzückten Entdeckern einen heiteren Tag beschert. Ich habe die Ehre so einige aufgetriebene Leichen mein Eigen nennen zu dürfen. Da sie sich so keck und vorwitzig immer wieder in den Mittelpunkt drängen, sollen einen Platz bekommen, im Kabinett der gelebten Peinlichkeiten.

Ich kann die Schlagzeilen der dämonischen Boulevardpresse nahezu vor mir sehen:
"Spaziergängerin macht grausigen Fund - Kopflose Trauer in Garten gefunden"
Essen.
Einer Spaziergängerin bot sich am Abend im Garten ihrer Nachbarin ein grausiges Bild. Die junge Frau befand sich in Begleitung ihres Pudels auf dem Verbindungsweg zwischen den Straßen "Elsterweg" und "Im kleinen Winkel", als sie auf drei völlig verstörte Kinder traf.
Wenige Meter weiter, an der benachbarten Giebelseite des Elternhauses der zuvor genannten Kinder, machte die Frau eine unfassbare Entdeckung: Neben dem Haus, angrenzend an die Terrasse und halb durch ein Gebüsch verdeckt, lagen die zerteilten Überreste eines grausam entstellten Trauergefühls.
Das Opfer wurde offensichtlich mit einer scharfen Waffe in der Körpermitte und ebenso am Hals durchtrennt. Wie es zu dem Vorfall kommen konnte, ist zurzeit noch völlig unklar. Eine Beteiligung des allseits bekannten und ortsansässigen Irrsinns wird bereits schon jetzt angenommen. Über den Verbleib des Kopfes und der übrigen Gefühle der Besitzerin ist noch nichts bekannt.
Die junge Passantin erlitt einen Schock und wurde seelsorgerisch betreut.
Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.


Ja, wo sind se hin? Die Gefühle, die jeder selbsternannte Moralapostel und Durchschnittsbürger empfindet, bevor er seinen Mitmenschen gnadenlos für sein Handeln und Nichtfühlen verurteilt.
Irgendwo auf dem Weg sind die Dinger uns wohl abhanden gekommen, oder an Orte gelangt, an denen sie keinen Sinn ergeben.
Unser Nichts, in dem Erinnerungen ohne Wertung verschlossen sind. Nicht weiter getragen werden dürfen weil sie pietätlos und/oder verboten sind, nicht zum Erlebten und Empfinden der anderen passen und ihre Gefühle verletzen.
In unzählige Teile gekloppt und abgespalten in Ecken in denen sie keiner finden kann und soll. Wegkonditioniert von Subjekten, die selbst keine besitzen. Die Mitleid nicht einmal im Lexikon suchen würden. Mitleid und Trauer für uns selbst, zwei Worte, die für alle anderen zu regelnden Emotionen ein Anfang sein könnten...

(2010)

05.12.2011

Perfektion und Chaos Part I

Perfektion - meine unsensible Nervensäge, ist ein unmögliches Luder, das mich oftmals nahezu in den Wahnsinn treiben kann. Dieses Luder hat ganz ureigene Gesetze, die mitnichten glasklar vor Augen liegen und sich noch dazu nicht gerade mit der Logik verbündet haben. Das Streben nach persönlicher Perfektion, Ansprüchen und Vorstellungen ist ein sonderbar Ding, welches mitunter schon arg seltsame Blüten treibt. Die Anstrengung dahinter ist nicht nur der Aufwand, sondern viel eher noch das Wissen es doch nie gut genug gemacht zu haben. Orientierung an Maßstäben, die kaum jemand erreichen kann. Die Angst vor dem Mittelmaß immer im Gepäck. Und doch auch die Sehnsucht selbiges zu akzeptieren, nein anzustreben und anzunehmen. Schaff es einfach nicht.

Bliebe zu erwähnen dass Vieles ganz einfach vor lauter Perfektionsstreberei auf der Strecke bleibt. Lieber völliges Chaos als zweifelhafte Ordnung. Eine nach meinen Vorstellungen aufgeräumte Wohnung dürfte man nicht mehr betreten. Jeder Brotkrümmel fällt mit der Wucht einer Gerölllawine auf den frisch geputzten Tisch. Jede normale Nutzung des gereinigten Wohnzimmers empfinde ich als ausgemachten Boykott. Kann nicht ertragen, den gerade gespülten Topf wieder auf den Herd zu stellen. In meinem frisch gesaugten Auto darf keiner sitzen, zu schmerzhaft jedes neue alles zerstörendes Haar. Der Teil in mir, der sich totlacht über die pingelige Schrulle in ihrem Monk'schen Wahn, auch ihn verstehe ich nicht. Eine Jacke mit ausgefransten Bündchen zu tragen fällt in sein Resort, während die unteren Etagen unter der Knute der nörgeligen Prinzessin ihr makelloses Dasein fristen müssen.
Die Vorstellung mit unrasierten Beinen und Genickbruch, frisch verunfallt, auf einer Bahre zu liegen, treiben ihr den blanken Angstschweiß auf die Stirn. Ein wildwachsendes Haar der ungezupften Augenbraue, vermag sie nicht in Erwägung zu ziehen ohne anschließenden Myokardinfarkt (selbstredend erst nachdem Fingernägel akkurat gekürzt und die Socken auf Löcher überprüft wurden).

Auch an Arbeit und Hobbies ist nicht zu denken ohne ganz vorne mit dabei zu sein. Eine schiefe Naht am selbst erstellten Pullover ist möglich, aber nur für den ganz privaten Gebrauch. Etwas herzustellen für andere geht selten gut. Kein Ergebnis ist auch nur annähernd ausreichend um es ernsthaft zu präsentieren. Fehler sehen andere meist nur durch meinen bescheidenen Hinweis dass das Endprodukt eigentlich für die Tonne war. Schiefe Linien, ungleiche Striche oder Abstände haben so manches Mal dafür gesorgt dass ich beinahe den Verstand verlor. Die Gewissheit das Bauamt könnte den Bauantrag ablehnen weil der Baum im Grundriss zwei Millimeter zu weit links, im Vergleich zur Vorderansicht gezeichnet ist, geht mir so lange nicht aus dem Kopf bis mindestens das Richtfest stattgefunden hat. Und anschließend werte ich den sich damit zufrieden gestellten erst einmal ab.
Rechtschreibfehler sind Nägel an meinem Sarg. So kann es durchaus vorkommen dass ich zufällig gefundene Vertipper in einem Internetforum auch dann noch korrigiere wenn kein Mensch den Beitrag mehr liest weil er nach zwei Jahren bereits in den Tiefen des Datennirvanas verschwunden ist (ich schwöre, ich schick den Text hier gleich ohne Korrekturlesen ab!!).

Der andere Part in mir tippt sich wild gestikulierend an die ungewaschene Stirn. Ihn kümmert das alles nicht. Denn wie ist es zum Beispiel zu erklären dass ich niemals nach dem Aufwachen unter Hinterlassung eines ungemachten Bettes den Raum verlassen kann, während sich auf der Fensterbank Zeitungen stapeln und die Wollmäuse unter dem Bett schon nicht mehr lebendig, sondern wieder zu Fossilien geworden sind?
Doch wehe irgendwer kommt zu Besuch. Zwei Wochen Hardcoreputzen sind mindestens dabei. Kein fremdes Wesen darf die Wohnung betreten bevor nicht meine innerliche kritische Abnahme stattgefunden hat. Selbst Suizidabsichten wurden schon durch noch vorhandenes Leergut und ungeputzte Badezimmerfliesen vereitelt!

Der Widerspruch ist selten weit. Ein winziger Mitesser ist kaum auszuhalten während der Saum der Hose beharrlich sein Schweigegelübde demonstriert, ob der Tatsache die guten Tage weit hinter sich gelassen zu haben.
Schiefe Bilder? Nicht mit mir! Obwohl ich mir beim Geraderücken die Finger versaue, am wochenalten Staub. Die Spinner schlagen dramatische Schlachten in mir! Kopf und Bauch liegen sich immer im Klinch. Damit muss ich wohl leben, Hauptsache beide sehen gut aus dabei!

Leider machen diverse Spleens auch nicht vor anderen halt:
Ich stehe an einer Ampel, vor mir eine Frau, deren Kapuze mich keck mit ihrer rausgestülpten linken Seite anstarrt. Von einem Bein auf das andere wippend, werde ich langsam aber sicher nervös. Dieses Teil scheint mir dreist seine Zunge heraus zu strecken, als die Ampel auf Grün umschaltet. Wegen dem Menschenpulk um mich herum ist es mir nicht möglich mich an der Frau vorbeizuschieben, was eine Pein zu werden droht, da ich den Blick nicht mehr von diesem verdammten Kleidungsstück wenden kann. Ungünstigerweise läuft dieses Kleidungsstück noch eine ganze Weile vor mir her. Den Impuls unterdrückend diese blöde Kapuze auf rechts zu drehen, laufe ich frustriert weiter hinter ihr her. Unkorrekte Kapuzen gehen einfach nicht. Ein Punkt an dem sich die Leutchen im Kopf mal absolut einig sind...

25.10.2011

Titel: Leben auf der Grenze. Erfahrungen mit Borderline

Herausgeber: Andreas Knuf
ISBN-10: 3867390037
ISBN-13: 978-3867390033
Verlag: Balance Buch + Medien; Auflage: 3., Aufl. (April 2009)

Andreas Knuf arbeitet als Psychotherapeut, lebt in einer Beziehung mit einer Borderlinerin und hat mit ihr einen Sohn. Sein Buch entsprang dem Wunsch eine Ahnung davon zu bekommen wie Menschen ihre Erkrankung erleben und mit ihr leben. So trug er Schilderungen von Betroffenen zusammen und es entstand ein Werk mit 20 Erfahrungsberichten aus unterschiedlichen Lebens- und Krankheitsverläufen. Die Schilderungen bieten einen Einblick in den Alltag ihrer Verfasser und sind ebenso so verschieden wie sie selbst.

Sein Nachwort enthält eine kurze Zusammenfassung über die Beziehung zwischen Therapeuten und Klienten, im Anhang finden sich Adressen und Informationen zum Thema.

Fazit:
Empfehlenswert und interessant, für Betroffene ebenso wie Angehörige und Helfer.
Jedoch ist anzumerken dass es sich hierbei um Berichte und Schilderungen handelt, die dem Verständnis und der Aufklärung dienen und somit keine Ratschläge und Hilfestellung enthalten. Ist man sich dessen bewusst, bietet das Buch anschauliche Beispiele aus dem Leben von Betroffenen, auch in der Kommunikation mit ihren Helfern.

07.10.2011

Kreisman, Dr. Jerold J./Straus, Hal - Zerrissen zwischen Extremen


Titel: Zerrissen zwischen Extremen: Leben mit einer Borderline-Störung
Autor: Dr. Jerold J. Kreisman, Hal Straus
Originaltitel: Sometimes I Act Crazy
Übersetzer: Karin Petersen
ISBN-10: 3442169763
ISBN-13: 978-3442169764Seiten: 310
Verlag: Goldmann Verlag,  2008

 
Nach ihrem bekannten und erfolgreichen Werk "Ich hasse Dich, verlass mich nicht" haben die beiden Autoren 15 Jahre später nachgelegt und mit  „Zerrissen zwischen Extremen“ ein solides und verständliches Buch für Betroffene, Angehörige und auch Fachwelt geschaffen.

Strukturiert anhand der neun DSM-Kriterien baut sich das Buch auf die fundierten Grundlagen von Borderline auf. Jedes weitere Kapitel behandelt die Symptome der einzelnen Kriterien, die durch Komorbiditäten ergänzt und mit Fallbeispielen eingehend beleuchtet werden. Abgerundet wird jedes Kapitel durch Ratschläge und Informationen, die sich an Angehörige richten und einen guten Einstieg für Problemlösungen im zwischenmenschlichen Bereich des Alltags und im Umgang mit akuten Krisensituationen bieten.

Hinzu kommen Behandlungsmethoden und Kommunikationstechniken, die sich mit Therapiemöglichkeiten und Medikation beschäftigen, bevor das Buch mit Aussichten und Tendenzen zukünftiger Forschung abschließt.
Der Anhang bietet Literaturbeispiele, wie auch Hinweise auf Audio- und Videoangebote ebenso wie www-Adressen und ausführliches Quellenverzeichnis.

Fazit:
Lesenwertes und hilfreiches Buch für Betroffene, Angehörige, Helfer und die interessierte Allgemeinheit. Für schnelles Überfliegen eignet sich diese Lektüre nur bedingt, die Fallbeispiele sorgen durch ihren Stil jedoch dafür dass auch Leser, denen sachliche Abhandlungen zu trocken sind, im Lesefluss bleiben ohne den Faden zu verlieren.

19.09.2011

Sandra Morgenstern - ... eigentlich will ich leben!

Titel: ... eigentlich will ich leben!
Autor: Sandra Morgenstern
ISBN-10: 3932361369


ISBN-13: 978-3932361364
Verlag: Pbreport, 2006

Die 16-jährige unter Panikattacken leidende Lisa, trifft in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf die ebenfalls 16-jährige Diana, die ihr den Anfang auf der Station und den Einstieg in die Gemeinschaft erleichtert.
Lisa, still und zurückhaltend, freundet sich mit der temperamentvollen und fröhlichen Diana schnell an und lebt sich in der Klinik gut ein. Folgsam und aufgeschlossen erlebt sie die Therapeuten und Betreuer als Hilfe und Stütze. Der Umgang mit der Gruppe, die sie annimmt und versteht, tut ihr gut.
Die toughe Diana, äußerlich cool und immer für andere da, verbirgt ihr verletzliches Inneres fast perfekt, während es sie eigentlich quält. Um Herr über ihre Gefühle und schlimmen Erinnerungen zu werden, erleichtert sie sich durch Selbstverletzungen durch Messer und Schläge gegen sich selbst. Von Selbstmordgedanken begleitet und Versuchen der Grenzsetzungen der Betreuer unter Druck, gerät Diana in eine Spirale des Kräftemessens mit dem Personal. Ihren stummen Hilfeschreien begegnet dieses mit Verboten, Strafen und weiteren Druck, der sie an allem zweifeln lässt bis die Situation eskaliert. Hilfe annehmen, eine Fähigkeit, die Diana nicht besitzt, so trifft sie einen folgenschweren Entschluss...

Sandra Morgenstern begann im Alter von 16 Jahren mit dem Schreiben ihres Erstlingswerks, welches den Leser durch Sensibilität und Einfühlungsvermögen beeindruckt. Anschaulich beschreibt sie den Alltag in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik und überzeugt durch authentische Charaktere auf beiden Seiten: Patienten wie Pflegekräfte kommen glaubhaft und realistisch beim Leser an. Probleme und Situationen erwecken schnell den Eindruck im Geschehen dabei zu sein. Wecken Verständnis und lassen teilnehmen an Ängsten, Verzweiflung, Hoffnung und der Gemeinschaft auf der Station.
Die Autorin schafft es dem Leser eindrucksvoll zu vermitteln welchen Weg die Protagonisten bestreiten, wie ihre Gefühlswelt und das Erleben der Grenzen innerhalb ihrer Erkrankungen empfunden und oftmals nicht verstanden werden.

Fazit:
Ein fesselndes Buch für Jugendliche und auch Erwachsene, Betroffene, Angehörige und Interessierte, das den Leser an der Handlung teilhaben lässt ohne in Klischees oder Belehrungen abzurutschen.

29.01.2011

Du bist verpeilt wenn...

...du anstatt deiner Anti-Irrsinns-Tropfen, die Anti-Mauser-Tropfen deines Nymphensittichs nimmst und es erst nach drei Tagen merkst...

21.12.2010

Supporter

Ignoranten, Leugner, Verharmloser und naive Blinde

Die Familie strampelt mit allem was sie hat auf meinen Nerven rum und sorgt dafür dass die Wortwahl gelegentlich aus dem Ruder laufen könnte (ganz beruhigend zu wissen dass ich nicht genau weiß wer von denen, denen ich demnächst mal begegne, hier gerade mit liest^^)...


Ich hab die Schnauze von den im Titel genannten Mitmenschen voll.
Sie begegnen einem überall. In der Nachbarschaft, im Netz, in der Familie, unter Bekannten... dieses Packzeug tummelt sich allgegenwärtig auf der großen weiten Welt und ich lasse immer noch viel zu oft zu dass ich mich durch ihre unqualifizierte Verbaldiarrhö wie ein Stück Dreck fühle.

Die harmlosesten unter ihnen neigen dazu Betroffenen ihre Wahrnehmung abzusprechen, anderen ist das Wort "Menschenwürde" völlig fremd. Manche sind sich der Tatsache dass sie einem abartigste Schmerzen zufügen nicht einmal bewusst. Ich würd sie gerne schütteln und ihnen nachts die Bilder schicken, die sie nie sehen mussten.

"Warum hast du dich nicht gewehrt?"
"Das bildest du dir bloß ein"
"Lüg nicht"
"Es gibt Schlimmeres"
"Stell dich nicht so an"

Mein seit 1 1/2 Jahren derzeitiger persönlicher Favorit:
"[...] und manche Leute sich das Recht herausnehmen andere verletzen zu dürfen nur weil sie selber einmal verletzt worden sind"

Nur?? Einmal? Verletzt?? Das ist dein Vergleich? Du asoziale Fotze, du kannst dir deine Relativierung in deinen Fundamentalisten-Katholiken-Arsch schieben und zur Hölle fahren.
Ich wünsch dir die Todesangst, die blanke Panik um dein nacktes Leben. Die heimlichen Tränen, die Selbstverachtung, die Erniedrigung, den Hass auf deinen eigenen Körper, die Unsicherheit, die Schuld. Den Wunsch endlich zu krepieren, die Unfähigkeit zu lieben, zu fühlen, zu vertrauen - zu leben.
Ich wünsch dir: Die Nächte in Schreckstarrem Entsetzen, den Schmerz, die nicht endende Scham, das Gefühl in deinem Körper tot zu sein und die Narben davon ihn für kurze Zeit lebendig sein zu lassen.
Ich wünsch dir: Die nichtssagenden Typen, von denen du dich durchficken lässt um dich: lebendig zu fühlen, selbst zu bestrafen, so zu fühlen wie du glaubst dass du es musst.
Ich wünsch dir: Die Drogen, die Tabletten, das Besaufen, 20 Liter Kochsalzlösung und Aktivkohle genauso wie die Erkenntnis dass du weiter leben musst, das Hungern, das Kotzen, den Ekel, die Schmerzen.
Und ich wünsch dir: Mit allen Sinnen zu erleben wie es ist, zu riechen, zu schmecken und zu hören was du "nur einmal verletzt" nennst. Den Gestank und Geschmack von Schweiß, von Alkohol, von Zigaretten und Sperma wenn du ganze 5 Lenze zählst.
Ich wünsch dir: Die Welt, wie sie sich anfühlt, wenn verachtenswerte Subjekte wie du dich Mörder nennen weil du mit 11 Jahren die Dreistigkeit besitzt kein Kind von deinem Stiefvater zu bekommen.
Ich wünsch mir dass Loser wie du nur einmal über ihren Tellerrand gucken, anstatt wegen ein paar lächerlichen Worten so ein Fass aufzumachen.

Ihr engstirnigen Kinderschänder-Supporter solltet verrecken, wie wegsehende Mütter und Verwandte, die relativieren, Leid absprechen und Täter schützen weil die Nachbarn ja schlecht reden könnten.

Empathieresistente Intelligenzallergiker, warum passiert euch das nicht??

20.10.2010

Selbstzerstörung Part 1

"Selbstzerstörungssequenz wurde initiiert"


Autorisierung: K. Alpha 305... Irgendwann zwischen 1975 und 2010...

Die Tribble-Invasion auf Raumstation K-7 ist gegen meine Dämonenbande ein Nichts. Klingonen, Romulaner, Hirogen oder Spezies 8472? Kindergarten.
Auch Ridley Scott's Alien ist im Vergleich ein flauschiges Kuscheltier.

Hier im Borderland, zwischen Wahnsinn und geheuchelter Normalität sind die Monster mürrischer und zeigen sich manchmal sogar in ihrer menschlichen Gestalt.
Jemand hat mal gesagt "Es ist ungerecht. Wir müssen das ausbaden, das andere verbockt haben!" Bis heute ist es mir nicht gelungen zu akzeptieren: Meine Bande und ich, wir sind nur das Produkt, nicht der Erzeuger.
Schuld, Schuld, Schuld. Immer und immer wieder Schuld. Das Hirn verbogen und verdreht, eingepflanzt und fest verwachsen: Schuld. Du darfst nichts sagen. Bist selbst Schuld, schmutzig und schlecht. Warum zum Verrecken schämt man sich für Dinge, für die man nichts kann? Was hat die Wahrnehmung so sehr deformiert dass man überzeugt davon ist man bildet sich Vergangenes ein? Besitze ich das Recht auf Gefühle, die mir sagen "Es ist falsch"? Wie hat sich die Wertlosigleit hinein gefressen bis in die hinterste Zelle? Dafür gesorgt dass man darauf programmiert ist sich, wo man nur kann, zu bekämpfen. Getrieben von dem nicht zu erfassenden und geschickt verschlüsseltem Wunsch sich zu zerstören.
Leider tun sich einem dabei Abgründe auf, die bloß eine Fortsetzung vom witzlosen Spiel des großen Ganzen sind.

Die Methoden sich selbst immer wieder zu malträtieren, variieren und lassen dabei nicht selten gar nicht erkennen wohin der Hase läuft. Ich versichere aber, sie können schmerzhaft und hässlich, mitunter auch schon mal recht peinlich sein.
Und so reiht sich das Spiel der hässlich-schmerzhaften Peinlichkeiten zu einer bunten Kette voller Unsinn, den man sich selbst als Lebenserfahrung verkauft.
Ich bin weise und wissend. Ja - wie man es nicht machen sollte ;)

Was nützt mir die Erfahrung des Komasaufens, das einem Einblicke darin verschafft wie es ist, halbtot in den Erzeugnissen aller Körperöffnungen zu liegen während manche Klassenkameradinnen gerade ihre letzten Barbies verschenkt haben?
Hat es mich irgendwie weiter gebracht auszuprobieren was "ein Dreier (nein, nicht der BMW)" ist, während andere bei Aussprache des Wortes "Petting" noch in hysterisches Gekicher ausbrachen?
Ich kann mir auch bei der größten Anstrengung keine Vorstellung davon machen was es für Vorteile gebracht haben soll Begriffe wie "Rohypnol, Tavor, Leponex, Heroin und Psychiatrie" zu gebrauchen wie andere "Kino, Klamotten, Disco, Kirmes und Familienurlaub".
Auch das Herumschleppen von Rasierklingen hat mich seinerzeit schon nicht besonders weiter gebracht.

Aber hey: Es ist nicht meine Schuld... to be continued...