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19.02.2014

Martina André - Das Geheimnis des Templers

Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (11. November 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746629934
ISBN-13: 978-3746629933
ASIN: B00FVW7CI0 (Collector's Pack [Kindle Edition])

Kurzbeschreibung Amazon:
Zwischen Liebe und Glauben Gero von Breydenbach soll Templer werden – so will es sein Vater. Doch Gero hat sich unsterblich in Elisabeth verliebt, das Mädchen, das sein Vater von seinem Kreuzzug ins Heilige Land mitgebracht hat. Eine Zeitlang können die beiden ihre verbotene Liebe geheim halten. Bis sie schließlich fliehen und bei Geros Tante Unterschlupf finden. Dort offenbart Elisabeth die Umstände ihrer Befreiung und berichtet von einer geheimnisvollen Tasche, die Geros Vater für Jacques de Molay, den Großmeister der Templer, unter Einsatz seines Lebens verteidigt hat. Elisabeth und Gero wollen ihre Liebe vor Gott bezeugen und bereiten ihre Hochzeit vor. Ihr Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer. Wie alles begann: die spannende Geschichte des Templers Gero von Breydenbach. Von der Autorin des Bestsellers »Das Rätsel der Templer«.


Über den Autor:
Martina André wurde 1961 in Bonn geboren. Der französisch klingende Nachname ist ein Pseudonym und stammt von ihrer Urgroßmutter, die hugenottische Wurzeln in die Familiengeschichte miteinbrachte. 2007 landete Martina André mit ihrem Erstling «Die Gegenpäpstin» auf Anhieb einen Bestseller. Martina André lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Koblenz sowie in Edinburgh/Schottland


Meine Meinung:
Das Buch beschreibt die Vorgeschichte zu „Das Rätsel der Templer“ und „Die Rückkehr der Templer“. Man erfährt aus Geros Kindheit und Jugend, seine Beziehung zu Familie und Frau, die Vorbereitung auf das Leben als Templer wie Eintritt in den Orden und das Leben als Ordensmitglied in Krieg und Ordensburg.
Ich empfand das Buch als sehr angenehm, spannend und flüssig zu lesen, die Atmosphäre ist wirklich gelungen, ebenso der historische Hintergrund. Man sagt Martina André ja nach sie hätte gut recherchiert und die historischen Fakten gewissenhaft eingebaut, das kann aus meiner Sicht letztlich nur ein Historiker beantworten, mir als Laie erschien es zumindest stimmig. Ungewollte kleinere Datenverdrehung mag ich sicher nicht ausschließen, aber es ging mir ja auch hauptsächlich ums Lesen und nicht um ein Geschichtsstudium.
Was mir nicht so gefallen hat, waren unpassende, fast pornografische Passagen und die Schema F-Frauendarstellung. Es passt einfach nicht in das restliche Buch, was zum Teil auch an der Ausdrucksweise liegt. Weniger wäre da definitiv ausreichend gewesen.
Zum Frauentyp, mich hat ziemlich geärgert dass die betroffenen Damen allesamt zu einem Teil wie triebgesteuerte Sirenen dargestellt wurden, die sich trotz bewusster Gefahr nicht bremsen können und immer wieder deshalb und durch ihre dümmlich anmutenden, trotzigen Spielereien ihren Liebsten und sich voraussehbar ins Unglück manövrieren. Das ist wirklich für mich ein Manko, das aber durch die Ausarbeitung der Charaktere und dem Handlungsbogen, sowie sonstigen Schreibstil wieder wett gemacht wird. Es ist auf das ganze Buch gesehen fast zu vernachlässigen und nimmt zum Glück nicht so viel Platz ein, wenn es auch zu wichtigen Handlungshintergründen gehört.

Fazit:

Lesenswert und macht Lust auf mehr, wer historische Romane mag, der ist damit sicher gut damit bedient.

30.06.2012

Christine Striebel - Schritt für Schritt ins Leben

Schritt für Schritt ins Leben: Ein kompaktes Selbsthilfebuch für Menschen mit
Dissoziativer Identitätsstörung und Zwischenformen


  • ISBN-10: 3867038597
  • ISBN-13: 978-3867038591
Schritt für Schritt ins Leben. Ein kompaktes Selbsthilfebuch für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung und Zwischenformen von Christine Striebel, Ein hilfreiches Buch, das Unterstützungshilfen im Alltag gibt und die Isolation durch zahlreiche Interviews mit Betroffenen durchbricht. Dieses Buch reicht Betroffenen die Hand und erklärt einfühlsam und klar die Entstehung dieser Überlebensstrategie. Des Weiteren beinhaltet es eine Schatztruhe voller Ideen zur Entlastung und Selbsthilfe für den Alltag und den Umgang mit Behörden. Skill-Listen, Imaginationsübungen, Checklisten sowie Impulse zum Stärken und Stabilisieren geben praktische Hilfe an die Hand und machen das Buch damit zu einem wertvollen Begleiter der hilft Schritt für Schritt im eigenen Tempo seinen Heilungsweg zu gehen. Bereichert wird dieses Buch zusätzlich durch die vielen Erfahrungsberichte und Anregungen Betroffener. Auch für Menschen, die noch sehr isoliert sind mit ihrer DIS, wird dieses Buch damit zu einem ganz besonderen Geschenk und hilfreichen Begleiter, denn hier erfahren sie: es gibt auch noch andere wie mich, ich bin nicht alleine! Ein Buch, voller Liebe geschrieben, das eine wichtige Botschaft weitergibt: Gib Dir die Chance, glücklich zu leben!

25.10.2011

Titel: Leben auf der Grenze. Erfahrungen mit Borderline

Herausgeber: Andreas Knuf
ISBN-10: 3867390037
ISBN-13: 978-3867390033
Verlag: Balance Buch + Medien; Auflage: 3., Aufl. (April 2009)

Andreas Knuf arbeitet als Psychotherapeut, lebt in einer Beziehung mit einer Borderlinerin und hat mit ihr einen Sohn. Sein Buch entsprang dem Wunsch eine Ahnung davon zu bekommen wie Menschen ihre Erkrankung erleben und mit ihr leben. So trug er Schilderungen von Betroffenen zusammen und es entstand ein Werk mit 20 Erfahrungsberichten aus unterschiedlichen Lebens- und Krankheitsverläufen. Die Schilderungen bieten einen Einblick in den Alltag ihrer Verfasser und sind ebenso so verschieden wie sie selbst.

Sein Nachwort enthält eine kurze Zusammenfassung über die Beziehung zwischen Therapeuten und Klienten, im Anhang finden sich Adressen und Informationen zum Thema.

Fazit:
Empfehlenswert und interessant, für Betroffene ebenso wie Angehörige und Helfer.
Jedoch ist anzumerken dass es sich hierbei um Berichte und Schilderungen handelt, die dem Verständnis und der Aufklärung dienen und somit keine Ratschläge und Hilfestellung enthalten. Ist man sich dessen bewusst, bietet das Buch anschauliche Beispiele aus dem Leben von Betroffenen, auch in der Kommunikation mit ihren Helfern.

07.10.2011

Kreisman, Dr. Jerold J./Straus, Hal - Zerrissen zwischen Extremen


Titel: Zerrissen zwischen Extremen: Leben mit einer Borderline-Störung
Autor: Dr. Jerold J. Kreisman, Hal Straus
Originaltitel: Sometimes I Act Crazy
Übersetzer: Karin Petersen
ISBN-10: 3442169763
ISBN-13: 978-3442169764Seiten: 310
Verlag: Goldmann Verlag,  2008

 
Nach ihrem bekannten und erfolgreichen Werk "Ich hasse Dich, verlass mich nicht" haben die beiden Autoren 15 Jahre später nachgelegt und mit  „Zerrissen zwischen Extremen“ ein solides und verständliches Buch für Betroffene, Angehörige und auch Fachwelt geschaffen.

Strukturiert anhand der neun DSM-Kriterien baut sich das Buch auf die fundierten Grundlagen von Borderline auf. Jedes weitere Kapitel behandelt die Symptome der einzelnen Kriterien, die durch Komorbiditäten ergänzt und mit Fallbeispielen eingehend beleuchtet werden. Abgerundet wird jedes Kapitel durch Ratschläge und Informationen, die sich an Angehörige richten und einen guten Einstieg für Problemlösungen im zwischenmenschlichen Bereich des Alltags und im Umgang mit akuten Krisensituationen bieten.

Hinzu kommen Behandlungsmethoden und Kommunikationstechniken, die sich mit Therapiemöglichkeiten und Medikation beschäftigen, bevor das Buch mit Aussichten und Tendenzen zukünftiger Forschung abschließt.
Der Anhang bietet Literaturbeispiele, wie auch Hinweise auf Audio- und Videoangebote ebenso wie www-Adressen und ausführliches Quellenverzeichnis.

Fazit:
Lesenwertes und hilfreiches Buch für Betroffene, Angehörige, Helfer und die interessierte Allgemeinheit. Für schnelles Überfliegen eignet sich diese Lektüre nur bedingt, die Fallbeispiele sorgen durch ihren Stil jedoch dafür dass auch Leser, denen sachliche Abhandlungen zu trocken sind, im Lesefluss bleiben ohne den Faden zu verlieren.

19.09.2011

Sandra Morgenstern - ... eigentlich will ich leben!

Titel: ... eigentlich will ich leben!
Autor: Sandra Morgenstern
ISBN-10: 3932361369


ISBN-13: 978-3932361364
Verlag: Pbreport, 2006

Die 16-jährige unter Panikattacken leidende Lisa, trifft in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf die ebenfalls 16-jährige Diana, die ihr den Anfang auf der Station und den Einstieg in die Gemeinschaft erleichtert.
Lisa, still und zurückhaltend, freundet sich mit der temperamentvollen und fröhlichen Diana schnell an und lebt sich in der Klinik gut ein. Folgsam und aufgeschlossen erlebt sie die Therapeuten und Betreuer als Hilfe und Stütze. Der Umgang mit der Gruppe, die sie annimmt und versteht, tut ihr gut.
Die toughe Diana, äußerlich cool und immer für andere da, verbirgt ihr verletzliches Inneres fast perfekt, während es sie eigentlich quält. Um Herr über ihre Gefühle und schlimmen Erinnerungen zu werden, erleichtert sie sich durch Selbstverletzungen durch Messer und Schläge gegen sich selbst. Von Selbstmordgedanken begleitet und Versuchen der Grenzsetzungen der Betreuer unter Druck, gerät Diana in eine Spirale des Kräftemessens mit dem Personal. Ihren stummen Hilfeschreien begegnet dieses mit Verboten, Strafen und weiteren Druck, der sie an allem zweifeln lässt bis die Situation eskaliert. Hilfe annehmen, eine Fähigkeit, die Diana nicht besitzt, so trifft sie einen folgenschweren Entschluss...

Sandra Morgenstern begann im Alter von 16 Jahren mit dem Schreiben ihres Erstlingswerks, welches den Leser durch Sensibilität und Einfühlungsvermögen beeindruckt. Anschaulich beschreibt sie den Alltag in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik und überzeugt durch authentische Charaktere auf beiden Seiten: Patienten wie Pflegekräfte kommen glaubhaft und realistisch beim Leser an. Probleme und Situationen erwecken schnell den Eindruck im Geschehen dabei zu sein. Wecken Verständnis und lassen teilnehmen an Ängsten, Verzweiflung, Hoffnung und der Gemeinschaft auf der Station.
Die Autorin schafft es dem Leser eindrucksvoll zu vermitteln welchen Weg die Protagonisten bestreiten, wie ihre Gefühlswelt und das Erleben der Grenzen innerhalb ihrer Erkrankungen empfunden und oftmals nicht verstanden werden.

Fazit:
Ein fesselndes Buch für Jugendliche und auch Erwachsene, Betroffene, Angehörige und Interessierte, das den Leser an der Handlung teilhaben lässt ohne in Klischees oder Belehrungen abzurutschen.

11.06.2010

Caucus-Rennen und was daraus wird.

                        Filax sprach zu
                            der Maus, die
                                    er traf
                                      in dem
                                        Haus:
                                     »Geh' mit
                                    mir vor
                                   Gericht,
                                 daß ich
                               dich
                              verklage.
                              Komm und
                               wehr' dich
                                 nicht mehr;
                                  ich muß
                                   haben ein
                                      Verhör,
                                     denn ich
                                       habe
                                    nichts
                                   zu thun
                                  schon
                                 zwei
                                Tage.«
                              Sprach die
                             Maus zum
                            Köter:
                           »Solch
                             Verhör,
                              lieber Herr,
                                 ohne
                                Richter,
                              ohne
                            Zeugen
                             thut nicht
                                  Noth.«
                                 »Ich bin
                                Zeuge,
                              ich bin
                             Richter,«
                            sprach
                              er schlau
                                und schnitt
                                 Gesichter,
                                 »das Verhör
                                  leite ich
                                       und
                                 verdamme
                                dich
                              zum
                                 Tod!«


(Lewis Carroll - Alice's Abenteuer im Wunderland)

08.06.2010

Beppo Straßenkehrer

Aus "Momo" von Michael Ende

Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quiet-schenden Fahrrad in die Stadt zu einem großen Gebäude. Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig:
Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.
Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter:
Schritt - Atemzug - Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.
"Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:
"Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:
"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten."
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:
"Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:
"Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste."
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend:
"Das ist wichtig."

06.06.2010

Die Geschichte mit dem Hammer...

Aus "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

13.03.2010

Der Zipferlake

Verdaustig war's, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

»Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr.
Vorm Fliegelflagel sieh dich vor,
dem mampfen Schnatterrind.«

Er zückt' sein scharfgebifftes Schwert,
den Feind zu futzen ohne Saum,
und lehnt' sich an den Dudelbaum
und stand da lang in sich gekehrt.

In sich gekeimt, so stand er hier,
da kam verschnoff der Zipferlak
mit Flammenlefze angewackt
und gurgt' in seiner Gier.

Mit Eins! und Zwei! und bis auf's Bein!
Die biffe Klinge ritscheropf!
Trennt' er vom Hals den toten Kopf,
und wichernd sprengt' er heim.

»Vom Zipferlak hast uns befreit?
Komm an mein Herz, aromer Sohn!
Oh, blumer Tag! Oh, schlusse Fron!«
So kröpfte er vor Freud'.

Verdaustig war's, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

Christian Enzensberger
(Übersetzung aus "Alice hinter den Spiegeln" - Lewis Carroll)

16.02.2010

Minck & Minck, umgenietet

Maggie Abendroth und der alten Narren tödliches Geschwätz
Taschenbuch: 350 Seiten
Verlag: Droste; Auflage: 1., Aufl. (13. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3770012909
ISBN-13: 978-3770012909

Kurzbeschreibung:
Nach "totgepflegt" und "abgemurkst" wird in Bochum jetzt reihenweise "umgenietet". Und Maggie Abendroth ist mit ihrem Taxi auf Nachtschicht mittendrin. Porzellan wird zerschlagen, ein antikes Musikinstrument verschwindet, eine Leiche treibt im Pool und Herrmanns und Borowski, die Freunde von Oma Berti, stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten. Wen wundert es da, dass Maggie den Überblick verliert? Und wo ist ihr Lieblingskommissar Winnie Blaschke, wenn sie ihn wirklich mal braucht? Antwort: Im Urlaub. Notgedrungen macht sich Maggie allein auf die Suche nach des Rätsels Lösung, zumal Herr Matti, frischgebackener Bestattungsunternehmer, auch noch zur falschen Zeit am falschen Ort war und dadurch dringend tatverdächtig ist. Zwischen Kiosk, Kiez und Kneipe lernt Maggie Abendroth vor allem eins: Schweigen ist Gold.
Der Verlag über das Buch:
Sie sind dem Ruhrgebiet, seinen Menschen und Mentalitäten aufs Innigste verbunden. Die Bochumer Erfolgsautorinnen Minck & Minck schauen auch in ihrem dritten Krimi dem Ruhrpott nicht nur aufs Maul, sondern auch in die Abgründe seines Herzens.

Bührke, Thomas - E = mc²

Einführung in die Relativitätstheorie
Taschenbuch: 144 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juli 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423330414
ISBN-13: 978-3423330411

Aus der Amazon.de-Redaktion:
Die Relativitätstheorie ist eigentlich gar nicht so schwer -- zumindest kommt es einem nach der Lektüre dieses Buches so vor. Natürlich läßt sich auf 130 Seiten nicht die ganze Theorie Einsteins in allen Details, Herleitungen und Beweisen darstellen. Für einen kurzen Einblick sowohl in die allgemeine als auch in die spezielle Relativitätstheorie reicht es aber allemal -- nebst einem kurzen Vorspann mit biographischen Eckdaten Einsteins und einem Schlußkapitel zur "Relativitätstheorie im Alltag".

Thomas Bührke gelingt es auch, das revolutionär Neue von Einsteins Theorie anzudeuten, indem er die Reibungspunkte zur Physik im traditionellen Newtonschen Sinne anspricht -- denn immerhin muß es einen Grund geben, wieso überhaupt eine neue Theorie nötig war. Wie reagierte die Wissenschaftsgemeinde auf den radikalen Neuentwurf und waren diese Ergebnisse, die Einstein in Gedankenexeperimenten erschloß, überhaupt praktisch überprüfbar? Auch diese Punkte spricht Bührke an, und läßt die graue Theorie so ein wenig farbiger erscheinen.

Einige Skizzen veranschaulichen schwierige Details oder komplexe Versuchsanordnungen, und die anschaulichen Beispiele (fahrende Züge, Uhren im Weltraum) helfen dabei, Begriffe wie die Zeitdilatation, Längenkontraktion oder das Zwillingsparadoxon zu verstehen. Kompakt aber verständlich. Wer die wesentlichen Begriffe noch einmal nachlesen will, dem hilft das Glossar, und wer auf den Geschmack gekommen ist, findet im Literaturverzeichnis Tips zum Weiterlesen. --Heike Reher
Kurzbeschreibung:
Ende des 19. Jahrhunderts wähnte sich die Physik »bis auf ein paar kleine Details« an ihrem Ziel, alle wesentlichen Gesetze zu kennen und die Welt zu verstehen. Doch dann veröffentlichte ein bis dato unbekannter Angestellter des Berner Patentamtes im Jahr 1905 zwei Arbeiten, die diese Welt veränderten. Der Weg zu Albert Einsteins Weltformel, ihre Bedeutung und ihre wichtigsten Auswirkungen.

Star Trek – The Next Generation - Widerstand

Titel: Widerstand
Serie: Star Trek – The Next Generation
OT: Star Trek – The Next Generation: Resistance
Autor: J.M.Dillard
Ü: Bernd Perplies
ISBN: 978-3-941248-62-5
Seiten: 310
Verlag: CrossCult, 2009
Rezension: Frank Drehmel


Nach dem Fortgang Rikers und Trois auf die „Titan“ muss die Crew der Enterprise neu geordnet werden. Für den vakanten Posten des ersten Offiziers hat Captain Picard den Klingonen Worf vorgesehen, während dem Schiff als neuer Counselor von der Sternenflotte die in vielerlei Hinsicht untypische Vulkanierin T'Lana zugewiesen wird. Die Situation des Umbruchs wird dadurch kompliziert, dass Worf sich wie ein kleines Mädchen ziert und die Beförderung ablehnt, dass sich T'Lana nicht gerade als Ausbund an Herzlichkeit erweist und zudem grundsätzliche Probleme mit Klingonen zu haben scheint und dass Jean-Luc übelst unter Visionen leidet, welche ihm das Kommen einer neuen Borg-Königin ankündigen, an der versprengte Drohnen gerade „rumschrauben“.
Als aufrechter Föderationssoldat informiert er zwar die Sternenflotte in Person Kathryn Janeways über seine Vorahnungen bezüglich der Borg, ignoriert allerdings ebenso herzlich deren Befehl, auf Verstärkung zu warten, und führt die Enterprise unter Protest T'Lanas an jenen Ort, wo ihn sein siebenter Sinn das Kollektiv vermuten lässt.
Von der hirnrissigen Idee besessen, als Borg würde er leichter die im Entstehen begriffenen Queen innerhalb des gigantischen Kubus-Raumschiffs des Feindes orten können, lässt er sich von Crusher in Locutus verwandeln und beamt mit einem kleinen Außenteam an Bord des Feindes.
Die Mission schlägt grandios fehl: das Team wird ausgelöscht und Picard/Locutus endgültig assimiliert.
Nun ist es an Crusher, Worf & Co, den Captain aus dem Kubus zu popeln, wobei es sich als fatal erweist, dass die Borg nicht länger die freundlichen, assimilationsgeilen Drohnen von nebenan sind, als die man sie bisher kannte, sondern echt fiese Charakterzüge in Richtung freudvolles Morden, Metzeln und Zerstören an den Tag legen. Daher müssen die Retter in spe ganz tief in die föderative Trickkiste greifen, um überhaupt eine Chance gegen diese nächste Generation bleichgesichtiger Cy-Borgs zu haben.


Nachdem „Tod im Winter“ von Michael Jan Friedman als verordneter Neu-Beginn des belletristischen TNG-Franchises schon keine Offenbarung frischer Ideen darstellte, sondern eher altbacken als modern, behäbig – ja geradezu träge - als dynamisch daher kam, ist es nun an Jeanne Kalogridis alias J.M. Dillard die Serie in neue, in tiefere Abgründe zu führen. Dabei gestaltet sie die Demontage all dessen, was einem TNG-Fan je lieb und teuer war, so allumfassend, dass einem Verriss-geneigten Rezensenten die Freudentränen aus den Äugelein kullern.
Beginnen wir mit den Charakteren: exakt eine einzige Person des Dillard'schen Figuren-Kanons verkörpert das, was man als objektiver Leser an Bord eines Raumschiffes wie der Enterprise erwarten darf: Professionalität, die Fähigkeit, rational abgewogene Entscheidungen zu treffen, sowie die Anerkenntnis von Hierarchien; und diese Person ist der neue Counselor T'Lana. Alle anderen – von Picard bis hin zu Worf – werden, „out of Series-Character“, als kindische, bestenfalls egozentrische Dilettanten gezeichnet, die um sich selbst und ihre persönlichen Probleme kreisen, zu rationalen Abwägungen nur bedingt fähig sind, einer Art Corps-Geist folgen, sich Plattitüden um die Ohren knallen und ihr Ego über das große Ganze stellen.
Auf der Figurenseite sind natürlich auch noch die Borg zu erwähnen. Wer glaubte, mit der Diminutivierung dieser kosmischen Ur-Gewalt durch den Kino-Film „First Contact“ und die spätere Voyager-Serie sei das untere Ende der Fahnenstange erreicht, reibt sich angesichts der endgültigen Banalisierung durch Dillard erstaunt die Augen: aus der konzeptionell radikalsten und gesellschaftlich exotischten Spezies werden triviale 0815-Schurken, die nunmehr niedere und vor allem vollkommen ineffiziente Emotionen wie Rache oder Zerstörungswut antreiben.
Zertrümmerte Figuren und Konzepte sind das eine, eine unglaublich dämliche Story das andere. Dieses ganze Herz-Schmerz-Geseier kann ja noch ertragen (durch Ignorieren), auch weil es in Star Trek in der Vergangenheit jenseits des Technobabbels gerne mal humanoidelte; dass jedoch LaForge föderative Tarntechnologie per Cheat-Eingabe aus dem Hut zaubert, Beverly in Nullkommanix ein Anti-Borg-Spray bastelt, und dass Picads als menschliches Trüffelschwein für Borg-Kuben und -Queens fungiert, wobei er unbedingt einen auf dicken Locutus machen muss, ist neben der Art und Weise, wie die beiden Außentrupp-Missionen von der Autorin plakativ bzw. unplausibel „designt“ sind, ein einziges großes, intellektuelles Armutszeugnis, ein Ausdruck überwältigender Ideen- und Konzeptlosigkeit.


Fazit: Angesichts eines solchen Franchise-Roman-Desasters ist man geneigt, zu beten, zu flehen, zu fluchen und schließlich erschöpft zu hauchen: Requiescat in pace, Star Trek!

14.01.2010

Matt Ruff - Ich und die anderen


  • ISBN-10: 3423208902
  • ISBN-13: 978-3423208901

Für den fünfjährigen Jake Honigpops, für Tante Sam Kräutertee und für Seferis gesalzene Radieschen: Es ist gar nicht so leicht, jeden Morgen die Bedürfnisse aller Hausbewohner zu befriedigen. Aber eigentlich hat Andrew Gage sich und seine »anderen« ganz gut im Griff. Andrew hat eine Multiple Persönlichkeitsstörung; mit Unterstützung einer engagierten Psychologin hat er es jedoch geschafft, für die vielen Ich-Abspaltungen in seinem Kopf ein imaginäres Haus zu konstruieren. 

Eine strenge Hausordnung ist der Garant dafür, daß Andrew sich im wirklichen Leben behaupten kann. Doch die Grundmauern des Geisterhauses beginnen stark zu wackeln, als Andrews Chefin Julie, Gründerin einer Firma, die sich mit virtueller Realität befaßt, die junge Penny Driver einstellt. Denn Penny ist ebenfalls multipel – nur weiß sie das noch nicht. Ob die nymphomane Loins, die lauthals fluchende Maledicta oder die gewalttätige Malefica: Wann immer eine ihrer verschiedenen »Seelen« die Herrschaft über Leib und Geist gewinnt, kommt es zu einem Blackout. 

Julie glaubt, daß Andrew Penny helfen könnte, doch allzu schnell läuft die Situation aus dem Ruder und Andrews filigranes Seelengefüge droht ebenfalls aus dem Gleichgewicht zu geraten. Den beiden bleibt nur eins: Sie müssen sich dem dunkelsten Kapitel ihres Lebens stellen. So finden sich Penny und Andrew – inklusive einem Dutzend Seelen auf dem Rücksitz – auf einem irrwitzigen Roadtrip quer durch Amerika wieder, der sie mit ihren traumatischen Kindheitserlebnissen konfrontiert. Und plötzlich steht die Frage im Raum, ob Andrew in seiner Vergangenheit einen Mord begangen haben könnte …

18.11.2009

Romero, George & Sparrow, Susanna - Dawn of the Dead

Titel: Dawn of the Dead - Der Roman zum Film
Originaltitel: Dawn of the Dead
Autoren: George Romero & Susanna Sparrow
Übersetzer: Michael Morris
Verlag: Panini/Dino 2004, Seiten: 236, ISBN: 3-8332-1115-6
Rezension: Frank Drehmel

George A. Romeros Film Dawn of the Dead markierte im Jahre 1978 - zehn Jahre nach dem ebenfalls bahnbrechenden Night of the Living Dead - einen Meilenstein des modernen Horror-Films und hat - ob es einem gefällt oder nicht - das Genre nachhaltig beeinflusst. Dass ein solch bedeutendes Kino-Werk ohne "Roman zum Film" davonkommt, war selbst in den guten alten Siebzigern nicht mehr zu erwarten - bösartige Zungen würden unken: zu hoffen. Und so erfolgte die belletristische Adaption des Stoffes im Original schon im Jahr des Kino-Starts, während die deutsche Erstveröffentlichung 1979 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Reihe "Goldmann Filmbuch" stattfand, damals anspruchsvoller- bzw. ansprechenderweise inklusive einiger 'aussagekräftiger' Film-Fotos.
Anlässlich Zack Snyders 2004er-Film-Remake, welches - und das soll nicht unerwähnt blieben - mit Romeros Stoff nicht viel mehr als den Namen gemeinsam hat, entschied sich Panini/Dino nach mehr als 25 Jahren für eine Neuveröffentlichung des - wohlgemerkt - alten Stoffes, allerdings ohne Bilder von Film-Szenen und augenscheinlich in einer neuen Übersetzung.

Das Überleben der Menschheit steht auf des Messers Schneide, denn die Toten erheben sich auf der Jagd nach dem Fleisch der Lebenden aus ihren Gräbern. Obwohl jeder einzelne dieser Zombies ausschließlich instinktgesteuert agiert und relativ leicht zu töten ist, bringen die Wiedergänger allein auf Grund ihrer unermesslichen Anzahl (Un)Tod und Vernichtung.
Vier, mehr oder weniger zufällig verbundene Menschen versuchen dem Zusammenbruch der Ordnung in der US-amerikanischen Stadt Philadelphia durch die gemeinsame Flucht in einem Hubschrauber zu entrinnen: die Journalistin Francine, der Hubschrauberpilot Steve sowie die beiden Elite-Polizisten Roger und Peter. Doch ihre Reise steht unter keinem guten Stern: Nicht nur, dass sie nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, auch notwendige Tankstopps bringen immer wieder tödliche Gefahren mit sich, während Spannungen innerhalb dieser inhomogenen Gemeinschaft für zusätzliche Unsicherheit sorgen.
Als sich die Gelegenheit bietet, entschließen sich die vier spontan, auf dem Dach eines riesigen, auf der 'grünen Wiese' gelegenen Einkaufszentrums ihr provisorisches Lager aufzuschlagen, um sich dann in den verwaisten Läden mit Lebensmitteln, Waffen und anderen wichtigen Gütern einzudecken. Als die Männer merken, wie leicht sie der Heerscharen von Zombies, welche den Konsumtempel nunmehr bevölkern, Herr werden können, fassen sie den Plan, das Gebäude abzuriegeln und es anschließend von den darin gefangenen Untoten zu säubern. Zunächst haben sie auch durchschlagenden Erfolg, doch dann taucht vor den verschlossenen Türen der Shopping-Mall eine Bande marodierender Rocker auf, und der Kampf ums Überleben beginnt aufs Neue.

Ich möchte es mir mit der Kritik an diesem Roman einfach machen und auf eine detaillierte 'Exegese' von Film und Buch, ihrem sozial- bzw. gesellschaftskritischen 'Content' bzw. Nicht-'Content' verzichten, denn Cineasten werden es ohnehin geahnt haben: Beiden Autoren - ob Romero tatsächlich mehr als nur seinen Namen zu dem Werk beigetragen hat, scheint zumindest zweifelhaft - gelingt es nicht, die Intensität der Kino-Bilder sowie zentrale Botschaften in den um Werktreue bemühten Roman rüberzuretten, da ihnen hierfür entweder die schriftstellerischen Fertigkeiten oder aber der Raum - 236 Seiten sind nicht viel- , die Lust oder alles zusammen fehlen.
Lediglich in den ersten beiden Kapiteln bekommt der Leser eine Ahnung davon, wie grundsätzlich pessimistisch Romeros Zombie-Story ist, nur hier - in den tumultartigen Szenen im Sender, dem verzweifelten Plädoyer eines Wissenschaftlers, dem Selbstmord eines S.W.A.T.-Mitgliedes - werden der Zerfall staatlicher Ordnung, gesellschaftlicher Konventionen und die Unfähigkeit des Menschen zu kooperativem Verhalten als Ursache für seinen Untergang in Andeutungen thematisiert. In den nachfolgenden Kapiteln dominiert oberflächliches, blutiges Hack 'n' Slay die wenigen tiefsinnigen Momente.

Doch nicht nur die Handlung ist relativ grob gezeichnet, auch in Bezug auf Figuren überwiegt das Klischeehafte, wobei jedoch kleinere 'Brüche' - bspw. Peters Tränen angesichts von Leid - die Charaktere hinreichend lebendig, 'echt' erscheinen lassen, ohne allerdings dem Leser allzuviel Raum für eine Identifikation zu bieten. Insofern bleibt die Perspektive des Leser eher eine voyeuristisch distanzierte, aus der ihm das Handeln der Protagonisten nicht wirklich nahe geht.

Fazit: Auch wenn es dem Roman in nur ganz wenigen Szenen gelingt, den 'Geist' des Films einzufangen, so kann ich die schnelle, brutale, nicht sehr tiefsinnige Story dennoch jenen Action- und Splatter-Fans empfehlen, die Romeros Kino-Klassiker noch nicht kennen. Ungeachtet dessen gilt aber: lieber schauen als lesen!

10.11.2009

Huff, Tanya - Blutzoll

Serie / Zyklus: Vicky Nelson, Band 1
Titel: Blutzoll
Originaltitel: Blood Price

Autor: Tanya Huff
Übersetzer: Claudia Wittemund
Verlag / Buchdaten: Feder & Schwert, 2002
Rezension: Frank Drehmel

Für alle Rollenspieler und Clanroman-Fans sei vorweg angemerkt, dass Blutzoll nicht in Feder & Schwerts (White Wolfs) World of Darkness spielt - wie zum Beispiel Sonja Blue: Racheengel von Nancy A. Collins -, sondern von F&S als der Erster von fünf Vicky-Nelson-Romanen WoD-unabhängug veröffentlicht wurde.

Die Privatdetektivin Vicky Nelson, Ex-Mitarbeiterin der Mordkommission Torontos, wird zufällig Augenzeugin eines grausamen Mordes. Dieser ist der Auftakt einer ganzen Serie von Gräueltaten, wobei alle nach einem bestimmten Schema ablaufen: sie geschehen nachts, das Opfer wird mit zerfetzter Kehle völlig blutleer aufgefunden und dem Morden scheint ein räumliches Muster zu Grunde zu liegen. In der Öffentlichkeit macht sich zunehmend -von den Medien forciert- die Überzeugung breit, es handle sich bei dem Täter um einen Vampir.

Die Freundin eines der Mordopfer heuert Vicky Nelson an, den Mörder zu finden. Bei ihren Ermittlungen erweisen sich Vickys Kontakte zu Mordkommission, und hier insbesondere die Beziehung zu Ex-Kollegen und Noch-Liebhaber Celluci, als nützlich. Im Zuge der Untersuchungen trifft sie an einem der Tatorte auf Henry Fitzroy, dem unehelichen Sohn Heinrichs VIII (König von England). Dieser 400 Jahre alte Vampir bestreitet seinen Lebensunterhalt ganz profan mit dem Schreiben von Groschenromanen und jagt in eigener Sache und aus naheliegenden Gründen -der Angst vor Entdeckung und Vernichtung- den Täter.
Die beiden beschließen, fortan zusammen zu arbeiten und erkennen schon bald, dass der Täter kein Vampir sein kann, sondern ein Dämon ist und die räumliche Anordnung der Morde der Beschwörung eines weitaus mächtigeren Erzdämons dient, welcher die Hölle auf Erden entfachen wird, gelingt es ihnen nicht, den Beschwörer so rechtzeitig zu stellen, dass sein unheiliges Werk unvollendet bleibt.

Als sie es schaffen, das Muster zu unterbrechen, scheint die Welt gerettet, doch wie so oft trügt dieser Schein ....

Blutzoll ist ein aus mehreren Gründen enttäuschender Roman: Zum einen ist von Handlungsträgern einzig der Charakter Vicky Nelson hinreichend ausgearbeitet. Die Beschreibung ihrer Macken, der Hassliebe zu Celluci und die amüsanten Streitgespräche der beiden gehören sicherlich zu den wenigen Höhepunkten des Buches.
Andere Charaktere wie Henry oder ihr Gegenspieler Norman bleiben blass und blutleer. Daran ändern auch die angestrengten, gekünstelten und überflüssigen Rückblenden in Fitzroy höfische Vergangenheit kaum etwas, während Normans zunehmende Besessenheit in ihrer Schilderung oberflächlich und trivialpsychologisch bleibt.

Zum zweiten ist die Handlung fantasiearm, hausbacken und vorhersehbar. Dämonen, Mordmuster (Mustermorde) oder Weltuntergangsszenarien hat man in ähnlicher Form schon x-mal gelesen oder gesehen. Die okkulten Details (Vampire vertragen keine Sonne, Pentagramme bannen Dämonen, Namen haben Macht) verlassen die tradierten Schemata im wesentlichen nicht und bleiben somit klischeehaft. Aus diesen Gründen kommt wirkliche Gänsehaut nur ganz selten auf; zum Beispiel als sich zwei Saufbrüder durch die Medienberichterstattung aufgestachelt entschließen, eine Krankenhausnachtschwester zu pfählen, weil sie sei noch nie tagsüber sahen.

Ein dritter und letzter negativer Punkt ist, dass das Phänomen Zufall zum handlungstragenden und -treibenden Element wird und damit die Glaubwürdigkeit der Entwicklungen leidet: zufällig wird Vicky Mordzeugin, um zufällig in dieser Sache angeheuert zu werden. Zufällig trifft sie Fitzroy, der zufällig das äußerst wichtige Zauberbuch besitzt, wovon Norman zufällig Kenntnis erlangt. Überstrapaziert wird der Zufall insbesondere dann, wenn Vicky quasi im letzten Moment vor Weltuntergang die Identität ihres Gegenspielers erfährt und so die Gelegenheit zur Weltrettung erhält.


Fazit: Der Autorin gelingt es auf knapp 300 Seiten nicht, eine wirklich fesselnde Geschichte mit glaubhaften Personen und logischen Verknüpfungen zu entwerfen, so dass ich Blutzoll auch in Anbetracht des relativ hohen Preises 12,95 € nicht als Lektüre empfehlen mag.

12.05.2009

Hilliges, Antje/Wachidowa, Irina - Der Tag, an dem die Wolke kam.


Wie wir Tschernobyl überlebten.
Verlag: Heyne (30. Mai 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453645081
ISBN-13: 978-3453645080

Kurzbeschreibung
Am 26. April 1986 ereignet sich im Kernkraftwerk von Tschernobyl eine Reaktorkatastrophe, bei der große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt werden. In der Sowjetunion, aber auch in den betroffenen Nachbarstaaten wird das Ausmaß der Katastrophe - ein GAU - lange heruntergespielt. Doch heute weiß jedes Kind: Tschernobyl ist der bislang schwerste Zwischenfall einer atomaren Katastrophe im zivilen Umgang mit den gewaltigen Kräften der Radioaktivität. Der nukleare Unfall hatte schwerwiegende Folgen für Bevölkerung und Umwelt. Tschernobyl - dieses Wort steht wie kein anderes für den unsichtbaren Tod.

Aufgezeichnet von Antje Hilliges, erzählt Irina Wachidow von dem Tag, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellte: von der Sorge um ihre Tochter Julia und um ihren Mann, der zu Aufräumarbeiten in die verstrahlte Ruine des Atomkraftwerkes geschickt wird. Von der immer größer werdenden Angst und der Ungewissheit danach. Aber auch von den kleinen, behutsamen Schritten, mit denen die Familie neuen Mut fasst und sich der Zukunft stellt ...

»Tschernobyl steht für einen energiepolitischen Irrweg mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt, die bis heute nicht bewältigt sind.« Jürgen Trittin, Ex-Bundesumweltminister

Klappentext
"Antje Hilliges ist eines der außergewöhnlichsten und besten Bücher gelungen, die bislang zum Thema Tschernobyl geschrieben wurden, ein stilles, sensibles, zutiefst berührendes Werk."
Süddeutsche Zeitung

"Überleben, aufbegehren, durchhalten: Eine deutsche Autorin erzählt die Geschichte der Tschernobyl-Familie Wachidow - und gibt intime Einblicke in das Leben mit einer von Menschen gemachten Katastrophe...Antje Hilliges hat einen ebenso leisen wie eindringlichen Bericht über das Leben vor und nach dem Unfall vorgelegt. Aus Sicht einer betroffenen Familie beschreibt sie den Weg durch die Katastrophe."
Spiegel online

Amirpur, Katajun / Witzke, Reinhard - Schauplatz Iran


Verlag: Herder, Freiburg; Auflage: 2., Aufl. (Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345105535X
ISBN-13: 978-3451055355


Kurzbeschreibung

Im Focus: Iran ist der erste Staat, in dem Ernst gemacht wurde mit der Devise "Der Islam ist die Lösung." Was sind die historischen Hintergründe? Wie wird es weitergehen? Kenntnisreich und spannend erzählt.

Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin und Iranistin, liefert gemeinsam mit dem Ethnographen Reinhard Witzke einen gelungenen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des neuzeitlichen Irans – von der Begründung der Kadscharen-Dynastie im 18. Jahrhundert bis zur Parlamentswahl im Jahr 2004. Die Autoren argumentieren nachvollziehbar, wenngleich sie auf detaillierte Quellenangaben verzichten. Wer sich über das 65-Millionen-Volk des Irans informieren möchte, dem sei das Buch empfohlen.

Kreisman, Jerold J. u. Straus, Hal - Zerrissen zwischen Extremen


Leben mit einer Borderline-Störung.
Hilfe für Betroffene und Angehörige
Verlag: Goldmann (7. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442169763
ISBN-13: 978-3442169764
Originaltitel: Sometimes I Act Crazy

Kurzbeschreibung
Bis vor kurzem galt die Borderline-Störung als kaum therapierbar. Mit neuen Erkenntnissen aus langjähriger Praxis bringen die Autoren neue Hoffnung. Sie machen die Krankheit besser begreifbar, bieten hilfreiche Strategien für das Leben mit Borderline und beschreiben die Erfolg versprechendsten Behandlungsmethoden. Wertvolle Unterstützung für Betroffene, Angehörige und medizinisches Fachpersonal.· Vom führenden Experten Dr. Jerold J. Kreisman.

Flemming, Timm - Ich - mein größter Feind


Leben mit dem Borderline-Syndrom
Verlag: Lübbe; Auflage: 3., Aufl. (10. April 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404616138
ISBN-13: 978-3404616138

Klappentext
Borderline - damit wird eine Vielzahl von Verhaltensweisen und Gefühlen beschrieben. Timm Flemming bekam 2002 die Diagnose, durch die seine Ängste und Schmerzen endlich einen Namen erhielten. Von klein auf galt er als eigenwillig, seltsam, "anders". Die Eltern nehmen sich beide das Leben, als er vierzehn ist. Seine Trauer schlägt sich in Depressionen, einer Essstörung und ersten Selbstverletzungen nieder. Es beginnt ein harter Weg mit mehreren Klinikaufenthalten. Heute hat Timm ein stabiles Leben aufgebaut und gelernt, Borderline nicht nur als Fluch, sondern auch als Segen zu betrachten, seine Kreativität auszuleben und seine extreme Sensibilität sinnvoll zu nutzen.