06.04.2007

Bennet, Christopher L. - Feind meines Feindes


Titel: Feind meines Feindes
Reihe: X-Men
OT: X-Men: Watchers on the Walls
Autor: Christopher L. Bennet
Ü: Timothy Stahl
Seiten: 347
ISBN: 978-3-8332-1452-3
Verlag: Panini/Dino, 2007
Rezension: Frank Drehmel


Als ein unbekanntes Raumschiff auf der Flucht vor einem anderen Schiff abgeschossen wird und auf der Erde notlanden muss, sind die X-Men schnell zur Stelle, um die Verfolgten unter ihren Schutz zu stellen. Und der ist nötig, denn nicht nur die Diascar, eine Rasse Zentaurenähnlicher Geschöpfe, sondern auch die Imperiale Garde der Shi´ar wollen den Flüchtlingen den Garaus machen.
Der Grund dafür ist so einfach wie tragisch: die bloße Existenz der Chloriten -so der Name der Gejagten- gefährdet nicht nur das Leben auf der Erde, sondern in der gesamten Galaxis, denn die Atmung dieser Spezies basiert auf Chlorgas und ein Mikroorganismus in ihrem Metabolismus ist darauf programmiert, die Lebensbedingungen eines Planeten so zu modifizieren, dass jegliches Sauerstoff atmende Leben untergehen muss. Ist ein Planet erst einmal infiziert, so gibt es keine Rettung mehr.

Obgleich die Chloriten auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat zwischenzeitlich als Mutanten getarnte Agenten hinaus in die Welt geschickt haben, wird der Menschheit eine kleine Schonfrist gewährt, da sich die Mikroben noch nicht an die irdischen Lebensbedingungen anpassen konnten.
Shi´ar wie auch Diascar machen allerdings mit einem grausamen Exempel klar, dass sie, sollte man diese Agenten nicht finden, die Erde auslöschen werden. Daher willigt Professor Xavier notgedrungen ein, sämtliche Mutanten mit Hilfe von reaktivierten und durch die Diascar umprogrammierten Mutanten-Killer-Robortern, den Sentinels, zunächst aufzuspüren, zu registrieren, um so die Verdächtigen herauszufiltern.

Zunächst läuft auch alles einigermaßen glatt, doch zentrale Fragen bleiben vorerst unbeantwortet: wie reagiert die “normale” Bevölkerung auf die vermeintliche neue Mutanten-Gefahr, lassen sich die Sentinels tatsächlich unter Kontrolle halten und ist die Vernichtung der Chloriten, die von den Diascar von Planet zu Planet getrieben werden, ohne jemals Frieden finden zu können, unabwendbar?


Auch wenn sich im großen Franchise-Sammelbecken allzu oft dritt- oder viertklassige Autoren tummeln, sich renomierte Schreiber hier regelmäßig zu bösen belletristischen Fehltritten hinreißen lassen (und man seine eigenen Ansprüche an dieses “Genre” dementsprechend so weit runtergeschraubt hat, dass man ob der Tristesse nicht in Lethargie oder chronische Leseunlust verfällt), so finden sich zwischen all dem Trash hin und wieder solche Bücher wie “Feind meines Feindes”, die einen das FinalFantasy-Grauen -um nur eine indiskutable Buch-Reihe zu nennen- vergessen lassen.

Bennetts Roman besticht in erster Linie durch eine -für einen Franchise-Roman- ungewöhnlich differenzierte Herangehensweise an einige sehr komplexe Themenbereiche: den Wert des Individuums, die Grenzen von Toleranz und des Rechts einer Gesellschaft auf Selbstverteidigung, die Ursache von Terrorismus, Fremdenfeindlichkeit und Totalirismus.
Bemerkenswerterweise lässt der Autor nicht von vorneherein die moralischen Muskeln spielen, liefert kein politisches Manifest ab oder übt sich in stereotyper Schwarz-Weiß-Malerei, sondern stellt vor allem in den Dialogen der Protagonisten Pro- und Contra-Argumentationen gleichwertig nebeneinander, wobei sich -und das macht das Ganze für X-Men-Fans interessant- die unterschiedlichen Hintergründe der Figuren -Kitty, Rogue, Wolverine, Kurt oder auch der Diascar-, ihre Erfahrungen in den von ihnen vertretenen Positionen widerspiegeln. Ganz am Ende des Konfliktes zwischen Menschen, Diascar und Chloriten steht zwar eine friedliche Lösung, in der man die Erfahrung Bennetts als “Star Trek”-Autor zu erkennen meint und die etwas trivial daher kommt, aber um diese Lösung wird nachvollziehbar gerungen.
Dass der Autor nicht primär auf jugendliche Couch Potatoes -als Zielgruppe seiner Story- abstellt, lassen -zurückhaltend- eingestreute Anspielungen, Redewendungen und Zitate ahnen, deren Verständnis ein gewisses literarisches und kulturelles Wissen beim Leser voraussetzt.

Neben dem durchaus anspruchsvollen Ansatz kommt auch die Action nicht zu kurz, die sich im wesentlichen, d.h. abgesehen von einigen kleineren Sentinel-Demontagen, auf die Kämpfe zwischen den X-Men und der Imperialen Garde der Shi´ar beschränkt, wobei die Beschreibung dieser Auseinandersetzungen angesichts der gewaltigen und bizarren Kräfte aller Beteiligten alles in allem erstaunlich plastisch und nachvollziehbar ist.


Fazit: Trotz marginaler Schwächen im Plot ein exzellenter, anregender Franchise-Roman, der sowohl eingefleischten X-Men- als auch unbedarften SF-Fans bedenkenlos empfohlen werden kann.

Busiek, Kurt - Der Gott in der Kugel und andere Geschichten


Titel: Der Gott in der Kugel und andere Geschichten
Reihe: Conan
Originaltitel: Conan - The God in the Bowl & Other Stories
Autor: Kurt Busiek
Zeichnungen: Cary Nord, Thomas Yeates & Tom Mandrake
Farben: Dave Stewart
Cover: Leinil Francis Yu
Übersetzer: Michael Strittmatter
Lettering: Ram
Seiten: 160
ISBN: 978-8332-1437-0
Verlag: Panini, 2006
Rezension: Frank Drehmel


Während die Assassine Janissa von einer geheimnisvollen Zauberin, der Knochenfrau, auf den Barbaren angesetzt wird, macht der ahnungslose Conan, der sich mit kleineren Diebstählen über Wasser hält, Zwischenstation in einer nemedischen Stadt.
Als er im Auftrag des Neffen des ortsansässigen Gouverneurs einen magischen Pokal zu stehlen versucht, wird er auf frischer Tat von den Stadtwachen ertappt. Dieses wiegt um so schwerer, als man am Tatort die Leiche des ermordeten Besitzer des Artefakts, Kallian Publico, entdeckt.
Auch wenn alles gegen Conan spricht, so findet er in dem Ermittler vor Ort, Demetrio, einen geduldigen und fairen Zuhörer. Doch trotz der Zurückhaltung des Beamten eskaliert die Situation schließlich, und der Barbar ist gezwungen, zu fliehen, jedoch nicht, ohne vorher seinen verräterischen Auftraggeber getötet und einen seltsamen, schlangenförmigen Götzen zerstört zu haben.

In einem Gefängnis in einer ihm vollkommen fremden Stadt, Gravena, kommt Conan wieder zu sich. Der vorbeikommende Priester des Ibis, Kalanthes, in dessen Dienst nun auch Janissa, die für den Blackout des Barbaren verantwortlich zeichnet, steht, löst den Gefangenen aus, um ihn für eine gefährliche Mission zu gewinnen: die Zerstörung des Auges von Tik-Pulonga in der uralten Stadt Hanumar; denn sollte dieser Gegenstand in die Hände der Jünger des Schlangenpriesters Toth-Amon fallen, drohen der Welt Tod und Verderbnis.
Die Reise wird durch ständige magische Angriffe des Bösen nicht nur für Conan zu einem Kampf auf Leben und Tod und es ist fraglich, ob mit Stahl die mächtige Magie besiegt werden kann.


Auch im vorliegenden Band gelingt es dem Autor, Kurt Busiek, scheinbar mühelos, den Leser zu fesseln -u.a. mit seiner Interpretation von Robert E. Howards berühmter Story, “Der Gott in der Kugel” (veröffentlicht erstmals im Jahre 1952).
Das Tradepaperback, das mit seinen Rückblenden und Ortswechseln eher an einen Roman als an ein gewöhnliches Comic erinnert, setzt -im Vergleich zum ersten Band- inhaltlich neue Akzente: einen Genre-Mix aus Fantasy und Krimi in der ersten Hälfte, der vielleicht nicht sehr originell, aber dennoch unterhaltsam ist, sowie die “behutsame”, logische Einführung von Conans späterem Erzfeind, Thoth-Amon, und damit eine stärkere Hinwendung zu den mystischen, magischen Elementen der Abenteuer.
Die wahre Stärke des Comics liegt jedoch in der differenzierten Ausarbeitung der Charaktere: Conan ist nicht nur ein simpler Schläger und Dieb, sondern agiert darüber hinaus einerseits intelligent -um nicht zu sagen verschlagen-, andererseits auch loyal bis zur Selbstaufopferung, ohne dabei gezähmt zu wirken. Die Nebenfiguren -angefangen bei der Assassine Janissa über die Knochenfrau und den adeligen Demetrio bis hin zum Priester Kalanthes- haben Ausstrahlung, wirken ebenfalls unverwechselbar und lebendig.

Das Artwork entspricht im wesentlichen dem des ersten Bandes, “Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten”, wobei Tom Mandrake das Team Nord/Yeates als weiterer Co-Zeichner eindeutig bereichert (zwar nur auf wenigen Seiten, diese jedoch kann man ihm auf den ersten Blick zuschreiben).
Nords/Yeates Stil ist nach wie vor kraftvoll und ungestüm; der harte, dynamische, z.T. skizzenhafte Strich spiegelt den archaischen, barbarischen Hintergrund der Conan-Storys treffend wider. Im Vergleich zum ersten Tradepaperback sind die einzelnen Bilder durchweg etwas klarer grafisch strukturiert, die Figuren sind deutlicher gegen den Hintergrund abgesetzt und die Farbgebung ist weniger breiig, verwaschen.
Bedauerlicherweise entgleiten Nord/Yeates noch immer die Physiognomien ihrer Protagonisten, zeigen insbesondere Hintergrundfiguren regelmäßig ein karikaturhaft verzerrtes und unproportioniertes Antlitz, wobei jedoch im Vergleich zu Band 1 ein deutliches Zurückgehen dieser störenden Ausrutscher zu verzeichnen ist.
Aus künstlerischer Sicht kommt ein weiterer Kritikpunkt zum Tragen: das Lettering in jenen Erzählfeldern (Narrative Boxes), welche nicht den Dialog der Sprechblasen fortführen, durchbricht mit seinem sehr “technisch” und modern anmutenden Schriftstil regelmäßig die in den Zeichnungen gut eingefangene “Sword & Sorcery”-Atmosphäre.

Auf Ausstattungsseite ist neben der gewohnt exzellenten Verarbeitung eine 6-Seitige Kurz-Biografie des Conan-Vaters, Robert E. Howard, erwähnenswert, für welche Mark Finn verantwortlich zeichnet und die mit Bildern aus Nords Skizzenbuch illustriert ist.

Fazit: Ein gehaltvoller, atmosphärisch dichter Fantasy-Comic mit kleinen Mängeln im Artwork, jedoch mit einer fesselnden Story. Ein Muss für Fantasy-Fans!

Roberts, Scott - Die Geheimwaffe


Titel: Die Geheimwaffe
Serie: War-Front Turning Point
Autor: Scott Roberts
Seiten: 329
ISBN: 978-3-8332-1463-9
Verlag: Panini, 2006
Rezension: Frank Drehmel


Wir schreiben das Jahr 1940. Frankreich und England haben Deutschland zwar offiziell den Krieg erklärt, dennoch herrscht an der Westfront eine angespannte Ruhe.
Während einer Beobachtungsmission auf französischem Territorium werden zwei junge, draufgängerische Air Force-Piloten, Alan Moore und Terence Cooper, Zeugen, wie “fliegende Männer” den Weinbauern und Techniker Vincent Dupont entführen. Als sie ihrem Kommandeur den Vorfall schildern, ernten sie dort zunächst nur Spott, den britischen Geheimdienst jedoch interessieren die seltsamen Vorkommnisse brennend.
Derweil ist auf Seiten der Deutschen die Stimmung alles andere als gelöst, denn eigentlich war nicht Dupont, sondern Pierre Jordan, Duponts Schwager, das Ziel jener Geheimoperation, deren Zeugen die beiden Engländer wurden. Daher beschließen Hauptmann Strehlau und Leutnant Messner, einen neuen Versuch zu wagen, um unter Zuhilfenahme der bewährten Düsenschub-Rucksäcke (DSR1) und sogenannten Kraftläufern, einer Art stählerner menschlicher Exo-Skelette, doch noch Jordan gefangen zu nehmen. Da sie jedoch davon ausgehen, dass Briten und Franzosen vorgewarnt sind, entspinnt sich ein Szenario von Spionage und Gegenspionage, Finten und Intrigen, in dessen Verlauf Strehlau in alliierte Gefangenschaft gerät und ein Verräter in den Reihen der Deutschen die Kommandoaktionen zu sabotieren droht.


Wer auch immer sich hinter dem Namen Scott Roberts verbirgt, er (oder sie) hat gute Arbeit geleistet. “Warfront - Die Geheimwaffe” ist mit leichter Hand geschriebene, angenehm zu lesende und -man mag es angesichts des historischen Hintergrundes kaum glauben- weitgehend “unpolitische” Popcorn-Unterhaltung.
Mitreißend “choreografierte”, plastisch beschriebene und damit problemlos nachvollziehbare Boden-, Luftkampf und Actionszenen in bester “James Bond”-Manier, Charaktere, die jenseits all ihrer zweifellos vorhandenen Klischeehaftigkeit und Eindimensionalität lebendig und -zumindest auf Heldenseite- sympathisch wirken sowie ein geschickter Mix aus historischen Fakten und fiktiven Elementen, welche nicht mit brachialer Gewalt an den Leser gebracht werden, sondern die sich schlüssig in die Geschichte einfügen, machen diesen “Alternate Reality”-Roman trotz einiger Plot-Löcher zu einem großen Lesevergnügen.
Über das Lob sollte man allerdings nicht vergessen, dass Roberts Geschichte die Gefahr innewohnt, die real unmenschliche Ideologie der Nazis und die Schuld insbesondere der deutschen Seite an den Gräueltaten während des 2. Weltkrieges zu verharmlosen, zu relativieren oder weitgehend zu leugnen. Andererseits: der Roman handelt vor einem unübersehbar fiktionalen Hintergrund, so dass es meines Erachtens durchaus hinnehmbar ist, wenn der Autor -vielleicht politisch unkorrekt- Sympathie-Träger (Strehlau, Messner) auch in den Reihen des deutschen Militärs entwirft und zugleich unsympathische, bornierte Figuren (Dupont, Harris) in den Reihen der Engländer und Franzosen, sich ansonsten aber einer Diskussion über Schuld und Sühne weitgehend enthält, sodass die drei Mächte zumindest im Buch auf gleicher moralischer Augenhöhe agieren.

Fazit: Ein gut geschriebener, actionreicher Roman mit sympathischen Helden, dem es zwar etwas an Tiefe und zum Teil auch an Plausibilität fehlt, der aber nichtsdestotrotz einige Stunden Lesespaß und Spannung bietet.

Kurth, Steve/Raffaele, Stefano - Drachenzwielicht 1


Titel: Drachenzwielicht 1
Zyklus: Die Chronik der Drachenlanze
Reihe: Drachenlanze (Dragonlance)
OT: Dragonlance Chronicles: Dragons of Autumn Twilight #1 - #4
Story: Margaret Weis & Tracy Hickman
Skript: Andrew Dabb
Ü: Oliver Hoffmann & Astrid Mosler
Zeichnungen: Steve Kurth & Stefano Raffaele
Farben: Djoko Santiko von Imaginary Friends Studio
Seiten: 100
ISBN 13: 978-3-86607-348-7
Verlag: PaniniComics, 2007
Rezension: Frank Drehmel

In einer Zeit, in der Goblins, Hobgoblins und Echsenmenschen die Wälder Krynns durchstreifen und sich die Menschen unter der Herrschaft religiöser Fanatiker und mächtiger Kriegsherren ducken, führt ein Schwur sechs Gefährten -den Kender Tolpan Barfuß, Halbelf Tanis, den Zwerg Flint, die Zwillingsbrüder Caramon und Raistlin sowie den Ritter Sturm- nach fünf Jahren des getrennten Reisens in ihrer Heimat-Stadt Solace wieder zusammen.
Doch Sturm kommt nicht allein: die Barbarin Goldmond, die zufällig in den Besitz eines blauen Kristallstabs gelangte, und ihr Gefährte Flusswind begleiten den Ritter. Als sich herausstellt, dass sämtlichen bösen Wesen der Gegend auf der Suche nach dem Stab, der magische Heilkräfte besitzt, zu sein scheinen, erklären sich die Helden bereit, die beiden Barbaren nach Haven zu begleiten, um dort den Ratschlag der Weisen zu suchen.

Die Reise steht unter keinem guten Stern. Kaum, dass es ihnen gelingt, mit Mühe und List aus einer Gefangenschaft der Echsenmenschen zu entkommen, geraten sie in den Runinen Xak Tsaroths in die Fänge von Gossenzwergen, welche selbst als Sklaven einem alten Drachen dienen. Damit führt der einzige Ausweg über eine Konfrontation mit diesem Ungeheuer.

Für die Comic-Adaption von Margaret Weis´ und Tracy Hickmans Roman-Bestseller zeichnet Andrew Dabb verantwortlich, der schon mit den Scripts zu R.A. Salvatores Dunkelelf-Saga -auf Deutsch ebenfalls bei Panini erscheinend- sein Können als Autor unter Beweis gestellt hat.
Auch im vorliegenden Comic hält er sich im Handlungsaufbau sehr eng an die belletristische Vorlage, sodass sich Kenner der Romane sofort heimisch fühlen dürften. Bedauerlicherweise geht aber ein zentrales Element der Romane in der vorliegenden Umsetzung verloren: das spannungsgeladene Beziehungsgeflecht, welches die Protagonisten miteinander verbindet. Insbesondere die tiefen, jedoch überaus seltsamen Bande zwischen dem gutmütigen, leicht einfältigen Caramon und seinem zynischen, egozentrischen Zwillingsbruder Raistlin sowie die Hass-Liebe zwischen dem Zwerg, Flint, und dem Kender, Tolpan, sind nur in Ansätzen erkennbar und erreichen zu keinem Zeitpunkt die Intensität der Buch-Darstellung. Auch darüber hinaus fehlt den Figuren jene emotionale Tiefe, die die Drachenlanzen-Romane so mitreißend macht. Damit liegt der Schwerpunkt der Comics eindeutig auf der Handlungs- bzw. Actionebene.

Im Gegensatz zum Script gibt es am Artwork nichts auszusetzen: der Seitenaufbau folgt entsprechend dem erzählerischen Ansatz des Comics eher einem konventionellen, ruhigen Schema. Die um eine realistische Abbildung von Figuren bemühte Grafik bedient sich sehr stark malerischer Elemente, d.h. Licht, Schatten, Texturen werden durch und mit Farbnuancierungen modelliert anstatt mit Linien und Schraffuren. Dabei spielen selbst die Buntfarben überwiegend ins Erdige, Schwere und auf starke Farbkontraste innerhalb einer Seite wird gänzlich verzichtet. Alles in allem ist die Colorierung sehr stimmig und spiegelt treffend die düstere Atmosphäre der Geschichte wider.


Fazit: Eine actionorientierte Comic-Adaption mit ausgezeichnetem Artwork, allerdings mit leichten Schwächen in den Charakterzeichnungen. Für “Sword & Sorcery”-Fans dennoch ein Leckerbissen.

15.03.2007

Rosenberg, Aaron - Die Königin der Klingen


Titel: Die Königin der Klingen
Serie: Starcraft
OT: STARCRAFT: Queen of Blades
Autor: Aaron Rosenberg
Ü: Anja Heppelmann
Seiten: 377
ISBN: 978-3-8332-1460-8
Verlag: Panini Books, 2007
Rezension: Frank Drehmel


Seit der Held von Antiga Prime, James Raynor, wegen und in Folge der Ereignisse auf Chau Sara und Mar Sara (vgl. hierzu Band 1: Libertys Kreuzzug) das Flaggschiff des skrupellosen, korrupten Imperators Arcturus Mengsk, die Hyperion, kaperte, sind einige Wochen ins Land gegangen.
Immer öfter wird der Freiheitskämpfer von Visionen der von den Zerg entführten Sarah Kerrigan, ihres Zeichens Ghost-Trooper und herausragende Telepathin, heimgesucht, in deren Folge er die Hyperion in ein entlegenes Sternsystem führt, wo er den Planeten Char als Ursprungsort seiner Träume ausgemacht zu haben glaubt.

Und tatsächlich! Auf jener Welt erfüllte sich Kerrigans Schicksal: die Transformation in einen Zerg-Menschen-Hybriden, in die “Königin der Klingen”. Raynors Bemühungen, die Ex-Soldatin doch noch zu retten, scheitern kläglich; während auf Char fast seine gesamte Landungstruppe durch die Zerg ausgelöscht wird, taucht im Orbit ein Schiff der Protoss auf, welches die vom Schwarm gekaperten Begleit- und Transportschiffe der Hyperion in einem Handstreich vernichtet. Die Hyperion selbst kann zwar durch einen Not-WARP-Sprung entkommen, Raynor und seine wenigen überlebenden Getreuen sind nun jedoch auf der Zerg-verseuchten Welt gefangen und müssen außerdem damit rechnen, dass die Protoss -ihrem üblichen Prozedere folgend- auch Char zu einem toten Klumpen Glas verbrennen.

Doch die Aliens unter Führung Exekutors Tassadar sind selbst Ausgestoßene und haben Anderes im Sinn: sie wollen die Königin der Klingen studieren, ihre Fähigkeiten und Grenzen kennen lernen.
Da erscheint unerwartet ein weiteres Schiff über Char, an Bord die verfemten Dunklen Templer der Protoss, deren Prätor, Zeratul, ebenfalls eigene Pläne mit den Zerg verfolgt. Obwohl sich die drei Parteien -Menschen, Hohe und Dunkle Templer- zunächst mit Misstrauen und Abneigung gegenübertreten, reift in ihnen schließlich doch die Erkenntnis, dass sie nur gemeinsam gegen Kerrigan bestehen können. Und diese Allianz ist mehr als nötig, denn der Zerg-Schwarm macht sich auf den Weg nach Aiur, der Heimatwelt der Protoss.


Mit knapp 380 Seiten hat “Die Königin der Klingen” im Vergleich zu den ersten drei Bänden einen deutlich größeren Umfang. Bedauerlicherweise tut der Geschichte dieses Mehr alles andere als gut. Statt einer stringenten, konsequent voran getriebenen und übersichtlichen Handlung, sieht sich der Leser einer zusammengestückelten Story gegenüber: hier eine weitere, in ihrer Häufung ermüdende, Karrigan-Vision, dort ein erneutes, nervtötendes Umherstolpern auf oder unter Chars Oberfläche, gefolgt von einem weiteren kleinen Scharmützel. Dann wieder -als hätte er über das Plaudern die Zeit vergessen- forciert der Autor das Geschehen, indem er Missionen in einem Nebensatz abschließt, unzählige Opfer beiläufig erwähnt oder schon mal einen Zeitraum von zwei, drei Wochen mit wenigen Worten überspringt. Alles in allem wirkt der Geschichte sehr unrhythmisch, wie eine Abfolge von Einzel-Szenen, die sich nicht recht zu einem Gesamtwerk verbinden wollen.
Darunter leidet auch die Plausibilität der Auseinandersetzungen zwischen Zerg, Protoss und Menschen. Die Gefechtslage bleibt unübersichtlich und gerade die Zurückhaltung bzw. die taktische Unfähigkeit der Zerg, die ihre Feinde anfangs relativ unbehelligt schalten und walten lassen, um sie später dann eins ums andere Mal aus den Augen zu verlieren, ist nicht nachvollziehbar und scheint -in Kenntnis der ersten drei Bände- untypisch oder wenigstens irritierend.

Doch der Roman soll nicht schlechter geredet werden, als er tatsächlich ist: die “Einführung” Zeratuls Dunkler Templer, die abtrünnigen Protoss unter Befehl Tassadars oder die Einblicke in das Schwarmbewusstsein und die Organisation der Zerg stellen eine interessante Erweiterung des bisherigen Roman-Hintergrundes dar, so dass es Rosenberg trotz aller Tempo- und Story-Schwächen tatsächlich gelingt, den Leser -insbesondere die Starcraft-Fans- bei der Stange zu halten. Allerdings nimmt er dadurch, dass er ihnen Namen und -in Karrigans Fall- sogar ein Gesicht gibt und sie somit vermenschlicht, sowohl Zerg als auch Protoss viel von dem bedrohlichen, fast schon dämonischen Nimbus und die “Mr. Miyagi”-”Yoda”-Weisheiten Zeratuls sind ganz sicher deutlich jenseits des guten Geschmacks.


Fazit: Actionorientierte Mainstream-SF ohne inhaltliche oder stilistische Höhepunkte, dafür mit einigen Längen. Für Starcraft-Fans wegen einiger Hintergrundinformationen dennoch empfehlenswert.